Serie (2): Mit Innovationen auf Wachstumskurs
Winzige Produkte für riesige Märkte

Mikrotechnik bedeutet umfassende Miniaturisierung weit über die Mikroelektronik hinaus in Mechanik, Fluidtechnik, Optik, Akustik, Chemie und Biotechnik. Bereits im Jahr 2000 wurde in Deutschland ein Absatzvolumen von rund 50 Milliarden Euro direkt oder indirekt von Mikroelektronik beeinflusst.

DÜSSELDORF. Wer auf der Suche nach einem neuen, zukunftssicheren und lukrativen Job ist, sollte Mikrosystemtechnik (MST) studieren. Denn Studenten, die sich mit diesem Fach beschäftigen, brauchen sich keine Sorge zu machen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) festgestellt. Mikrosystemtechnik ist eine Schlüsseltechnologie und ein Wachstumsmarkt – darüber sind sich die Experten einig. Einer Studie des Verbands der Elektrotechnik Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) zufolge, nehmen deutsche Unternehmen bei dieser Schlüsseltechnologie bis zum Jahr 2010 eine führende Rolle ein.

Wenn kleinste Systeme empfinden, entscheiden und reagieren können – so haben es die Wissenschaftler definiert – spricht man von der Mikrosystemtechnik. „Aufgrund ihres Querschnittcharakters bietet die Mikrosystemtechnik Innovationspotenzial für die unterschiedlichsten Bereiche“, unterstreicht das Institut für Mikrotechnik Mainz die Bedeutung. Nahezu alle Branchen können davon proftieren: Die Kommunikations-, Medizin-, Automobil-, Umwelt-, Lebensmittel-, Agrar-, Chemie- und Labortechnik ebenso wie der Maschinen- und Anlagenbau. Was die Informationstechnologie in den vergangenen dreißig Jahren war, könnte also die MST in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten sein.

Die MST verspricht somit wichtige Impulse für die Wettbewerbsfähigkeit von verschiedenen Industriezweigen in der Bundesrepublik Deutschland, meint das BMFB. Die wichtigsten Branchen, die derzeit den MST-Hochschulablsoventen die meisten Arbeitsplätze bieten, sind die Elektrotechnik, die Optik und die Feinmechanik sowie der Fahrzeugbau. Aber auch die Chemie- und Pharma-, die Medizintechnik, die Luft- und Raumfahrt- und die Energieindustrie sehen das Innovationspotenzial der Mikrosystemtechnik. So betrug das Marktvolumen für Produkte mit mikrosystemtechnischen Komponenten weltweit im vergangenen Jahr Schätzungen zufolge bereits 50 Mrd. $. Mit Wachstumsraten von jährlich etwa 20 Prozent soll’s weiter gehen. Das Potenzial der Querschnittstechnologie für die Entwicklung neuer Produkte und der Verbesserung bereits bestehender ist enorm.

Schon jetzt ist MST in zahlreichen Produkten unseres Alltags „versteckt“. Geradezu als segensreiche Innovatiaon wird MST in der Medizintechnik empfunden, wenn Chirurgen mit winzigen Werkzeugen operieren und so die Belastung für den Patienten gering halten. Airbags im Automobil sind ohne MST nicht denkbar.

Basistechnologie wie in der Computerindustrie

Wenn so viel Potenzial in der MST steckt, dann stellt sich schnell die Frage, welche Unternehmen sich damit intensiv beschäftigen, wie weit sie bei Forschung und Entwicklung sind. Und vor allem: Wie wollen sie aus den gewonnen Erkenntnissen und Einsichten marktfähige Produkte machen? Das interessiert vor allem Investoren, bei denen aber, wie Bernd Hartmann von der WGZ Venture-Capital Gesellschaft ausführt, „die Erkenntnis nach der E-Commerce-Blase bleibt, dass es für den unternehmerischen Erfolg mehr bedarf als eine unkonventionelle Idee oder ein innovatives Geschäftsmodell“. Hartmann sieht aber bereits interessante Businessmodelle, deren Ansätze eine wirtschaftliche Verwertung und marktbreite Anwendung erwarten lassen.

Dr. Thomas Schmidt von MicroVenture gibt zu bedenken: „ Eine gemeinsame Basistechnologie wie in der Computerindustrie, die der MST zu einem breiten Marktdurchbruch verhilft, kann sich nicht herausbilden.“ Zudem stehe die MST am Anfang der Wertschöpfungskette, erst die Kunden der MST-Anbieter können diese Technologie zu einem Markt verhelfen. Das sei meist so, weil MST-Unternehmen überwiegend im Umfeld von Universitäten entstehen. „Hat das Unternehmen einen gewissen Reifegrad erreicht und bestehen weiter interessante Wachstumsperspektiven, so sei ein Börsengang ein logischer Schritt zur Realisierung der Wachstumschancen“, meint Roland Elberfeld von der WGZ-Bank. Doch dazu müsse die Börse selbst erst einmal wieder Stärke beweisen.

Mikrosysteme sind schon Teil unseres Alltags

Lutz Müller, Geschäftsführer der Jenoptik Mikrotechnik GmbH, sieht in der Miniaturisierung eine der entscheidenden Querschnittstechnologien dieses Jahrhunderts: „In praktisch allen Produktbereichen ermöglicht die Mikrosystemtechnik die progressive Weiterentwicklung bestehender Produkte durch kleinere Abmessungen und mehr Funktionalität bei geringeren Kosten. Entscheidend sei es jetzt, so Müller, in die Massenproduktion zu kommen, damit einzelne Bauteile sich wirtschaftlich darstellen lassen. Als typische Anwendungsfelder für Mikrosystemtechnik nennt Müller die Mikrooptik sowie die Telekommunikations- und Informationstechnik. Die Jenoptik Mikrotechnik entwickelt, produziert und vertreibt Geräte und Anlagen für die Herstellung von MST-Produkten. Als führender Anbieter bezeichnet Müller sein Unternehmen bei der Herstellung von Mikrostrukturen mittels Röntgenlithographie.

Anwendungen von Mikrosystemen finden sich bereits in fast allen Bereichen der Technik: Temperatur-, Druck- und Kraftsensoren werden u. a. in der Verfahrenstechnik zur Anlagenüberwachung und im Automobilbau eingesetzt, miniaturisierte Aktoren (Miniaturmotoren) z. B. in der Medizintechnik.

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