Serie (4): Mit Innovationen auf Wachstumskurs
Medizintechnik für ein besseres Leben

Die Gesundheit ist nicht erst seit den immer höheren Krankenkassenbeiträgen ein aufregendes Thema. Dass mit den Fortschritten der Medizin nicht zwangsläufig auch höhere Kosten verbunden sein müssen, dafür will die Medizintechnik sorgen. Die Industrie behauptet jedenfalls: Investitionen in das Gesundheitswesen wirken kostendämpfend.

DÜSSELDORF. Computergestützte Diagnostik oder Echtzeitsimulation und 3D-Visualisierung, also Operatonssysteme, die mit bildgebenden Verfahren arbeiten, ermöglichen chirurgische Eingriffe mit deutlich weniger Aufwand und geringerem Risiko für die Patienten. Prothesen werden sich mit einer IT-gestützten Ganganalyse wesentlich genauer und schneller herstellen lassen, biophysikalische Therapieverfahren werden die regenerative Medizin verkürzen. Die Medizintechnik entwickelt immer aufwendigere Maschinen. Wer diese Maschinen einsetzen will, muss dafür erst einmal viel Geld ausgeben. Doch diese medizintechnischen Innovationen sollen nicht nur Geld kosten, sie sollen auch Geld sparen helfen. Wenn dann Operationen sich viel schneller und einfacher durchführen lassen, wenn die Diagnose sicherer und genauer wird, wenn die Therapie bessere Ergebnisse bringt, wenn Folge- und Nachsorgekosten dadurch vermieden werden.

Das Spektrum der Anwendungen für die Medizintechnik reicht vom Lab-on-a-Chip über einen Herzkatheter bis zum Kernspintomografen, von der Entwicklung eines Rollstuhls bis zu Tissue Engineering. Tissue Engineering: Um die extracelluläre Matrix für ein Weichgewebe, beispielsweise ein Leberersatzgewebe aufzubauen, und um künftig Lebertransplantationen abzulösen, müssen Zellbiologen, Immunologen, Werkstoffwissenschaftler, Biochemiker und Maschineningenieure eine lange Zeit ausdauernd zusammenarbeiten, um erste Ergebnisse zu erbringen. Prof. Erich Wintermantel, Ordinarius für Medizintechnik an der TU München, sieht die Medizintechnik daher – was er an dem Beispiel Tissue Engineering deutlich machen wollte – als typische Querschnittsdisziplin.

Das sind nur einige mögliche und zum Teil schon realisierte Anwendungen, die auch Laien davon überzeugen, dass die Medizintechnik unser Leben verbessern wird. Eine Studie des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) sieht Europa – und hier vor allem Deutschland – in einer klar führenden Position in der Medizintechnik. In einer jüngst erhobenen Umfrage wurde bestätigt, dass Deutschland auch im Jahr 2010 in dieser Schlüsseltechnologie die Pole Position inne haben werde.

Kompetenznetz für schnellen Erfahrungsaustausch

Um das alles noch voranzutreiben, hat der VDE die Initiative MikroMedizin ins Leben gerufen. Da die Mikrosystemtechnik (MST) einen bedeutenden Anteil an den Innovationsschüben in der Medizintechnik habe, und um die Möglichkeiten der Mikrosystemtechnik auszuschöpfen, sei es erforderlich, die Umsetzung des vorhandenen Wissens in Produkte zu beschleunigen. Viele Unternehmen würden immer noch das enorme Innovationspotenzial, das in den Mikrotechniken steckt, unterschätzen, heißt es.

Ziel des von der VDE initiierten Verbundprojektes IMEX ist der Aufbau eines Kompetenznetzes als Initiative für Institute aus der MST-Forschung, MST- Dienstleister, Unternehmen aus der Medizintechnik und anwendende Ärzte. Den teilnehmenden Instituten und Unternehmen werden in dem Netzwerk alle relevanten Informationen aus wichtigen Querschnittsthemen der Mikrosystemtechnik in der Medizintechnik zur Verfügung gestellt. Konkrete Innovationen erwartet man dadurch schon in nächster Zeit bei Diagnostik, Chirurgie und Implantaten. Gar „durchbruchartige Fortschritte“ werden bei der Bekämpfung von Erbkrankheiten erwartet. Dagegen werden bis zum Jahr 2010 Video-Pillen als Frühwarnsysteme im menschlichen Körper noch als wenig realisierbar angesehen.

Die Märkte der Medizintechnik zeichnen sich aus durch ein fein gewebtes Netz von Zuliefer- und Konkurrenzbeziehungen. „Innovationen setzen sich mit weniger Euphorie und Hitzigkeit durch als dies in mancher Entwicklung des Neuen Marktes zu erkennen ist“, schätzt Prof. Wintermatel die weitere Entwicklung ein. Aber gerade deshalb werde sich die Medizintechnik als ertragsstarke Branche erweisen.

Die Verantwortung der Medizintechnik für einen großen Teil des 6. Kondratieffs, jenes eben begonnenen Wirtschaftszyklus’ (nach der Theorie des gleichnamigen russischen Wirtschaftswissenschaftlers), sieht Wintermantel daher als unbestritten an: „ Gesundheitstechnologien werden einer älter werdenden Bevölkerung, die lebenslang den Anspruch auf Gesundheit erhebt, dienen.“

Nächste Folge: Mechatronik

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