Sicherheit
DNA-Tinte soll Einbrecher abschrecken

Schwere Zeiten für Langfinger: Die Bremer Polizei will in einem Pilotprojekt wertvolle Gegenstände mit einer unsichtbaren Markierung vor Dieben schützen. Mit der künstlichen DNA markiert ließe sich Diebesgut zweifelsfrei identifizieren und wäre somit nicht mehr leicht zu verkaufen.
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BERLIN. Wenn das Kalkül der Polizei aufgeht, dann wird Bremen zu einer der sichersten Gegenden in Deutschland. Die Ordnungshüter planen, in einem Stadtteil ab dem Spätsommer in 3 000 Haushalten Wertgegenstände mit künstlicher DNA zu markieren. Die Aktion soll dazu beitragen, dass Diebe künftig einen großen Bogen um diese Gegend machen, denn das Diebesgut lässt ich nicht mehr so gut weiterverkaufen, da es anhand der Signatur leicht enttarnt werden kann. Schilder in den Straßen sollen Kriminelle vor der Tinte warnen. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer rechnet mit einem Rückgang der Diebstähle um 50 bis 80 Prozent.

Derzeit werden die Stadtgebiete für das Experiment ausgewählt. Etliche Bürger haben sich schon bereiterklärt, beispielsweise ihre Fahrräder, Laptops, Gemälde oder Fernsehgeräte mit der Tinktur zu bepinseln, berichtet Günther Wiechert, Geschäftsführer des Projekts im Bremer Landeskriminalamt.

Die Tinte, die punktuell aufgetragen wird, wird beim Trocknen unsichtbar und haftet fest. Nur unter einer UV-Lampe leuchtet sie gelbgrün. In der Substanz sind zwei Sicherheitscodes eingeschlossen, wie Wiechert erklärt: Zum einen schwimmende mikrometergroße Metallplättchen, in die mit einem Laser eine Pin eingraviert ist. Der britische Hersteller SelectaDNA spricht von Mikrodots. Zum anderen befindet sich in jeder Tinte eine künstliche DNA-Sequenz.

Jeder Besitzer der markierten Gegenstände erhält mit seiner Schutztinte sowohl eine einzigartige DNA-Sequenz als auch eine entsprechende Metall-Pin. Zu beiden Codes hinterlegt SelectaDNA in einer Datenbank Namen und Anschrift des Besitzers, so dass dieser ausfindig gemacht werden kann, sobald sein gestohlenes Hab und Gut auftaucht. Die Metall-Pin lässt sich unter einem Mikroskop in 240facher Vergrößerung auslesen, versichert Wiechert. Die künstliche DNA wird im Kriminallabor entschlüsselt.

Sie besteht aus den gleichen vier organischen Basen Cytosin, Argenin, Guanin und Thymin wie das menschliche Erbgut. Allerdings ist die Abfolge der Bausteine in der künstlichen Version frei gewählt und weicht so von der Reihenfolge im natürlichen Erbmaterial ab. Heutzutage knüpfen Automaten synthetische DNA in allen möglichen Varianten. Pro Stück kostet das nur wenige Cent. Die Vielfalt der Möglichkeiten, die vier Bausteine aneinanderzureihen, prädestiniert das Material zum Sicherheitscode.

Noch steht nicht fest, welches Unternehmen die Tinte für das Projekt in Bremen liefern wird, so Wiechert. Er bedauert, dass derzeit keine deutsche Firma ein entsprechendes Produkt anbiete. Allerdings will die Berliner Firma Recon Technology Europe noch in diesem Jahr in das Geschäft einsteigen, kündigt Stefan Schuberth, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, an. Recon Technology liefert gegenwärtig Barcodes aus künstlicher DNA ohne Metallpartikel an verschiedene Firmen. Diese werden vor allem von Pharmakonzernen auf die Verpackungen kostspieliger Arzneien gedruckt, um diese von Medikamentenfälschungen zu unterscheiden. "Auch wenn wir das Experiment mit einem einzigen Produkt machen werden, schließt das nicht aus, dass nicht auch andere Anbieter auf den Markt gehen können. Wir wollen nicht der Wegbereiter für eine Firma sein", reagiert Wiechert auf die Ankündigung des Berliner Unternehmens.

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  • In Bremen wird keine DNA-"Tinte", sondern künstliche DNA als milchige Flüssigkeit eingesetzt. Der Handelsblatt-Artikel stammt vom 05.05.2009, aus den Anfängen des Pilotprojektes. Jetzt, zwei Jahre später, wurden viele Erfahrungen daraus gemacht, so dass die Erkenntnis lautet: Abschreckung ist die beste Verteidigung. Aufkleber an Hausfenstern und -Türen weisen die Diebe auf den Einsatz künstlicher DNA hin. Für die Einbrecher bedeutet das erhöhte Gefahr, erwischt und verurteilt zu werden. Denn wenn jemand mit drei Handys geschnappt wird, kann man ihm wegen der Markierung den Diebstahl nachweisen. - Dass der Dieb das Risiko eingeht, auf frischer Tat gefasst zu werden oder die künstliche DNA versucht (unvollständig oder mit deutlichen Spuren) zu entfernen, hat sich nicht gezeigt.

    Nähere Infos zur künstlichen DNA unter www.DNA-Schutz.de

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