SKA
Endspurt im Wettlauf um das Mega-Teleskop

Der Wettstreit um den Standort des Mega-Teleskops SKA geht in die entscheidende Phase. Macht Australien das Rennen – oder wird erstmals ein Projekt dieser Größenordnung in Afrika realisiert?
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Kapstadt/SydneyDie Entscheidung über den künftigen Standort des SKA (Square Kilometre Array), der größten Teleskopanlage der Welt, steht bevor: Am Dienstag und Mittwoch tagen in Amsterdam die internationalen Gremien der SKA-Organisation, um nach jahrelangen wissenschaftlichen Erhebungen zu einem Urteil über die beiden übrig gebliebenen Bewerber Südafrika und Australien zu kommen.

Anders als zunächst geplant dürfte in Amsterdam aber noch keine endgültige Entscheidung fallen. Die SKA-Zentrale in Manchester hat signalisiert, dass noch weitere Erörterungen notwendig seien.

Das SKA soll Radiowellen aus dem All erspähen, die bei einer Vielzahl natürlicher Prozesse entstehen. So senden etwa Gaswolken im Weltall charakteristische Radiostrahlung aus, an deren Wellenlänge man die chemische Zusammensetzung des Gases erkennen kann.

Das SKA wird 50-mal sensitiver sein und 10.000-mal schneller arbeiten als die derzeit besten Radioteleskope. Geplanter Baubeginn ist 2016, acht Jahre später soll die Anlage aus insgesamt 3000 15-Meter-Teleskopen voll einsatzfähig sein. Australien und Südafrika sind ideale Standorte, weil das SKA große Flächen mit guter Sicht und geringer Radiointerferenz - also sehr geringer Besiedlung - benötigt.

Die Anspannung und Nervösität zwischen den Regierungen Südafrikas und Australiens ist in den vergangenen Wochen spürbar gewachsen. Hohe Beamte in Südafrikas Hauptstadt Pretoria beklagten, dass die Australier „mit aggressiven Mitteln und den klassischen Vorurteilen über Afrika“ punkten wollten.

Südafrikas Wissenschaftsministerin Naledi Pandor zeigte sich vergangene Woche zuversichtlich, dass das Land - das sich mit acht anderen afrikanischen Partnern bewirbt - den Zuschlag erhalten werde. „Wenn Südafrika ausgewählt wird, dann werden die zwei Millionen Euro Projektgelder ein neues Gefühl des wissenschaftlichen Erfolgs über ganz Afrika verbreiten“.

Australische Medien berichteten, dass ihre Minister in den vergangenen Monaten verstärkt in den entscheidenden Ländern China, Großbritannien, Italien, Kanada und den Niederlanden für ihr Land geworben hätten. Zuvor habe sich angeblich bereits eine Mehrheit für Südafrika abgezeichnet. Australiens Wissenschaftsminister Chris Evans habe davor gewarnt, „nur aus Sympathie“ für Afrika zu stimmen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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