Skihersteller
Gutes Gespür für Schnee

Der Markt für Skier ist hoffnungslos überbesetzt, große Skihersteller kämpfen ums Überleben. Eigentlich kein geeignetes Umfeld für eine Firmengründung. Doch mit ihrer Firma Emplid haben Peter Bauer und Anian Thrainer den Einstieg trotzdem geschafft. Die Verkaufszahlen ihrer Skier und Snowboards verdoppeln sich von Jahr zu Jahr.
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Wer mit Anian Thrainer und Peter Bauer telefonieren möchte, der braucht es am Morgen gar nicht erst zu versuchen. Wenn ausreichend Schnee liegt, stehen die zwei Gründer der Ski- und Snowboard-Firma Amplid bis zur Mittagszeit auf den Brettern. „Im Sessellift können wir alles besprechen, was so anliegt“, sagt der ehemalige Snowboard-Weltmeister Bauer. Erst am Nachmittag sitzt der Sportler in seinem Büro auf dem Hammerer Hof im malerischen Fischbachau. Hier, im Schatten des 1622 Meter hohen Breitenstein, haben Thrainer und Bauer vor fünf Jahren Amplid gegründet. Das junge Team aus Oberbayern entwickelt Skier und Snowboards für eine anspruchsvolle Klientel: Jugendliche und Junggebliebene, die ihre Geräte bis zur Schmerzgrenze in Snowparks und im Tiefschnee belasten.

Eine Skifirma auf die Beine zu stellen ist ein verwegenes Vorhaben – ähnlich gewagt wäre es etwa, eine neue Automarke zu lancieren. Der Markt ist hoffnungslos überbesetzt, viele Anbieter kämpfen ums Überleben, und Jahr für Jahr werden weniger Bretter verkauft. Der Sportkonzern Adidas etwa war heilfroh, als er vor drei Jahren seine Ski- und Snowboard-Tochter Salomon abstoßen konnte. Bauer und Thrainer hat das nicht abgeschreckt – und der Erfolg gibt ihnen Recht. Seit drei Jahren sind ihre Boards und Skier jetzt in den Läden zu haben, zu Preisen zwischen 400 und 1 000 Euro. In jeder Saison hat sich der Verkauf verdoppelt. Auch im jetzt zu Ende gehenden Winter ist der Nischenanbieter auf keinem einzigen Brett sitzen geblieben.

Die Skier und Snowboards von Amplid werden zwar in gewöhnlichen Fabriken gefertigt. Doch mit der Massenware haben die teuren Bretter wenig gemeinsam. Das fängt schon beim Aussehen an. Die Snowboards haben ganz eigene Formen: Das gilt sowohl für die Taillierung als auch für die Wölbung der Sportgeräte. Im Inneren verbauen die Bayern das Beste, was es auf dem Markt gibt: teure Carbon-Fasern und extrem leichtes Birkenholz. Die Kanten sind extra verstärkt – und die vorne und hinten nach oben gewölbten Enden mit einer Art Mini-Hufeisen umschlossen. So können die sportbegeisterten Kids selbst die wildesten Kunststücke wagen, ohne dass die Bretter brechen.

Trotzdem achten die Jungunternehmer streng darauf, dass ihnen die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Schließlich geht es um ihr Geld: Banken und fremde Investoren haben sie außen vor gelassen. Die Firma ist so schlank, dass es kaum schlanker geht. „Klassisches Lean-Management“ nennt Bauer das. Er und Anian Thrainer sind die einzigen festen Mitarbeiter. Eine Zentrale gibt es nicht, Thrainer und Bauer arbeiten jeder von Zuhause aus – sie wohnen fünf Kilometer voneinander entfernt.

Auch den Besprechungsraum haben sie outgesourct. Wenn sie etwas länger diskutieren wollen, dann machen sie das oft in einer Berghütte im Skigebiet am nahen Spitzingsee. Die meisten Aufgaben wurden an freie Mitarbeiter abgegeben, an Designer und Kommunikations-Spezialisten, vor allem aber an Verkaufsprofis. In 30 Ländern vertreiben Importeure die Produkte der Bayern, selbst Deutschland betreut ein Distributeur. Wer in diesen Tagen die Boards und Skier für die nächste Saison bestellt, muss 30 Prozent anzahlen. Den Rest wollen die Bayern auf ihrem Konto sehen, sobald die Ware auf dem Weg zu den Kunden ist. So können sie auf Überbrückungskredite der Banken verzichten. Skifirmen wie Elan aus Slowenien übernehmen die Produktion. Auch hier sind die Bayern eigen: Jedes Board und jeder Ski kommt aus europäischen Fabriken, nur die Snowboard-Bindungen stammen aus Fernost. „Wirtschaftspatriotismus“ nennt dies Bauer. Auf Lager verzichtet Amplid konsequent: Die Ware geht direkt vom Werk in die Läden.

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