Software unterstützt die Planung von Rücknahmesystemen
Mathematiker optimieren Entsorgung

In Deutschland fehlt ist ein flächendeckendes Rücknahmesystem für Einwegflaschen und Dosen. Und zwar eins, das möglichst günstig und gerecht betrieben werden kann. Um den Aufbau solchen Systems für Dosen und Flaschen zu erleichtern, haben Fraunhofer-Forscher in Dortmund eine Software-Lösung entwickelt, mit der die Rücknahme organisiert werden kann.

ESSEN. Das Programm „WinESDR“ erlaubt Planern von Leergutsystemen in einem ersten Schritt aussagekräftige Zählzentren einzurichten. In einem zweiten Schritt werden, nach der genauen Beschreibung von Menge und Art des Leergutes, die Entsorgungswege optimiert.

Die genaue Planung der Zählzentren ist wichtig, damit überall bundesweit das Leergut abgegeben werden kann. Denn es gibt immer einige Händler, die mehr Pfandflaschen annehmen als verkaufen. Die ermittelten Daten entscheiden darüber, wie gerecht Ausgleichszahlungen zwischen den Getränkehändlern aufgeteilt werden können.

Wege werden optimiert

Durch einen mathematischen Algorithmus berechnet die Software, wo wie viel Leergut zu erwarten ist. „Entscheidend ist, dass das Programm nicht Näherungswerte errechnet, sondern exakte Zahlen. Und das unabhängig von der Anzahl der Orte. So eignet sich das Programm auch für länderübergreifende Rückführungssysteme“, sagt IML-Gruppenleiter Hubert Otten.

Erprobt wurde das System zusammen mit der Gesellschaft für Glasrecycling und Abfallvermeidung mbH (GGA). Es wurden alle Wege zwischen den Glascontainern, Aufbereitungsanlagen, Glashütten und den Abfüllern optimiert und statistisch errechnet, wann die Glascontainer voll sind. Das ist eine komplexe Aufgabe, denn bundesweit gibt es etwa 300 000 Glascontainer an 100 000 Standorten. Der Inhalt der Container wird auf 24 Aufbereitungsanlagen verteilt, wo das Glas nach Farbe sortiert, zerkleinert und gewaschen wird, bevor sie in den 29 Glashütten wieder zu neuen Flaschen verarbeitet wird. Insgesamt wurden 2002 deutschlandweit 2,45 Millionen Tonnen Altglas in Containern entsorgt.

Einsparpotenziale aufgezeigt

Das Computerprogramm zeigte ein deutliches Einsparpotenzial auf. „Mit der Software gelang es, die Transportwege so zu optimieren, dass gut 30 Prozent der Kosten eingespart werden könnten“, sagt der Fraunhofer-Entwickler und Wirtschaftsmathematiker Eike Ernst Michaelis. GGA-Geschäftsführer Helmut Notemann ist von diesem Ansatz, die Logistikkosten zu senken, angetan und will das Programm auf seine Praxistauglichkeit prüfen. Das allerdings erst, wenn ein flächendeckendes Rücknahmesystem für Einwegflaschen steht. Erst dann sei klar, welche Glasmengen noch in den Containern gesammelt werden. „Zurzeit werden immer mehr Getränke in PET-Flaschen abgefüllt, daher benötigen wir zunächst neue Daten, um uns dann gegebenenfalls computergestützt neu zu organisieren“, sagt Notemann.

Um die Mengen künftig noch exakter als bisher erheben zu können, arbeiten die Fraunhofer-Forscher daran, gewissermaßen containergenau zu prognostizieren. Sie wollen voraussagen, wann die Behälter voll sind, damit sie Just in Time geleert werden können. Weiterer Vorteil: Die Fracht kann Aufbereitungsanlagen sowie Getränkeherstellern so angeliefert werden, dass deren Kapazitäten möglichst gut ausgelastet werden.

Die Vorhersage, wann ein Container überzuquellen droht, entspricht nicht reiner Theorie, sondern Erfahrungswerten, die extrapoliert werden können. Die Forscher haben mit Daten der Essener Entsorgungsfirma Rhenus Logistics, die zeigen wie voll einzelne Container in verschiedenen Stadtteilen bei ihrer Leerung sind, eine Modellrechnung erstellt und herausgefunden, wann die Container geleert werden müssen, damit sie nicht überlaufen.

Das Dortmunder Fraunhofer-Institut hatte vor Jahren eine Funklösung entwickelt, die den Füllstand an den Entsorger meldet. „Doch die war zu teuer“, sagt Logisitikexperte Otten. Die durch dauernden Datenabgleich selbstlernende Softwarelösung sei billiger und liefere mit der Zeit ähnlich exakte Daten.

Die Fraunhofer-Forscher suchen nun Abnehmer für ihre Lösungen. Nach Einschätzung des Wirtschaftsinformatikers Jan-Marcus Lehmann von der Technischen Universität Berlin sind die Chancen der Dortmunder groß. „EDV-gestützten Planungsinstrumente fehlen in der Entsorgungslogistik“, sagt Lehmann. Da die Planungsaufgaben sehr komplex sind und die Kosten ständig steigen, seien umfassende computergestützte Systeme für die Entsorgungsbranche wichtig. Lehmann: „Eine einfache Übernahme von konventionellen Konzepten und Techniken aus anderen Bereichen der Logistik kann die Aufgaben, die sich hier stellen, nicht bewältigen.“

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