Softwarebranche
Spracherkennung erobert Handys und Autos

Spezialisten für Sprachsteuerung haben einen neuen Markt entdeckt. Nach Anwendungen in Callcentern und im Automobil nehmen sie jetzt verstärkt das mobile Endgerät ins Visier - allen voran das US-Unternehmen Nuance Communications: Zusammen mit dem US-Mobilfunkanbieter Sprint testet Nuance sprachgesteuerte Handys.

DÜSSELDORF Die E-Mail-Kommunikation erreicht den Frühstückstisch – per Sprachsteuerung: Künftig heißt es zum Kaffee nicht mehr „Bertha, das Ei ist hart.“ Sondern: „Sende E-Mail an: Frank Müller; Betreff: Heutiges Meeting; Inhalt: Ich werde später kommen.“

Die eigentliche Anwendung läuft dabei beim Provider, auf dem mobilen Endgerät sitzt nur ein kleines Softwaremodul. Die Handy-Tastatur wird ersetzt durch Spracherkennung, das Display durch Sprachausgabe.

Das hörende und sprechende Handy bietet diverse Möglichkeiten: Befiehlt man „Aktieninformation BMW“, so laufen bei bestehender Internetverbindung aktuelle Charts der BMW-Aktie auf dem Handy ein. Grundsätzlich ließen sich sogar Meldungen aus dem Internet vom Handy vorlesen, sagt Fatma Vital, Marketing-Managerin bei Nuance. Allerdings störe bei dieser Anwendung noch die Vielzahl von Bildern in herkömmlichen Webseiten, sagt Vital.

Nuance gilt als Branchenprimus im Bereich Spracherkennung. Hervorgegangen aus dem Unternehmen Scansoft, hat die Firma zuletzt ihr Know-how durch Akquisitionen ausgebaut. Ende Juni übernahm Nuance für 265 Mill. Dollar die AOL-Tochter Tegic, die seinerzeit die SMS-Eingabehilfe T9 entwickelt hat. Die Konkurrenz wächst: Auch der Softwarekonzern Microsoft und der Suchmaschinenspezialist Google haben die Marktchancen erkannt: Für 800 Mill. Dollar hat Microsoft im März den Spracherkennungsspezialisten Tellme Networks übernommen – seit April wandelt das System Google 411 in den USA Fragen eines Nutzers am Telefon in Sucheingaben um. Die einstigen Pioniere der Sprachsteuerung Philips und IBM konzentrieren sich mit ihren Spracherkennungsprodukten heute auf Ärzte und Rechtsanwälte oder im Fall von IBM auf komplexe Businessinstallationen.

Auch in Deutschland kümmern sich rund 120 Firmen um die Weiterentwicklung von Sprachdialogsystemen, sagt Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Die Basis steht, doch für Wahlster ist die spannendste Frage noch unbeantwortet: „Versteht das System die Sprache bald auch inhaltlich und nicht nur akustisch?“ Für einen echten Dialog sei eben nicht nur Spracherkennung und Sprachanalyse (Grammatikprüfung) nötig, sondern auch Sprachverständnis. „Nuance bietet lediglich eine Basissoftware zur reinen Spracherkennung, die in komplexen Systemen nur rund 20 Prozent ausmachen“, dämpft Wahlster die Erwartungen.

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