Sojus-Katastrophe vor 50 Jahren
Todesflug ins All

In 50 Jahren hat sich die russische Sojus zu einem der erfolgreichsten Raumschiffe entwickelt. Auch der Deutsche Alexander Gerst wird 2018 mit ihr ins All fliegen. Doch die Erfolgsgeschichte begann mit einer Katastrophe.

BerlinSeine Rückkehr von der Internationalen Raumstation ISS dürfte dem russischen Kosmonauten Andrej Borissenko im Gedächtnis bleiben. „Das war deutlich schlimmer, als sich mit einem Auto zu überschlagen“, sagt er nach der Landung.

Zusammen mit zwei Kollegen war Borissenko am 10. April in einer Sojus-Kapsel von einem gut sechsmonatigen Aufenthalt im All zurückgekehrt. Trotz des ruppigen Landemanövers in der kasachischen Steppe verlief die Rückkehr zur Erde vergleichsweise glimpflich. Die erste Landung einer bemannten Sojus-Kapsel vor genau 50 Jahren endete hingegen in einem Debakel, der Kosmonaut Wladimir Komarow kam dabei als erster Mensch auf einem Raumflug ums Leben.

Weil sich der Fallschirm nicht wie geplant öffnete, raste Komarows Raumkapsel mit rund 50 Metern pro Sekunde nahezu ungebremst auf die Erde. Die Wucht des Aufpralls zerschmettert die „Sojus 1“. Für den erfahrenen Kosmonauten Komarow wird sie zum feurigen Grab. Mit Schaufeln stochern Helfer in den verkohlten Trümmern der Kapsel, wie im Video der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zu sehen ist.

Das Unglück vom 24. April 1967 war ein schwerer Rückschlag für die ambitionierte sowjetische Raumfahrt. Es ereignete sich in der Hochzeit des Wettlaufs im All mit den USA, als das kosmische Rennen zwischen Ost und West geprägt war vom Kalten Krieg der Supermächte.

Die Sowjet-Führung in Moskau hatte seinerzeit das Ziel ausgerufen, als erste den Mond mit einem bemannten Raumschiff zu umrunden und später auf dem Erdtrabanten zu landen. Unter Hochdruck entwickelten Ingenieure den neuen Raumschiff-Typ Sojus (deutsch: Union – wohl auch eine Anspielung auf die Sowjetunion), das dritte bemannte Modell nach den Raumschiffen Wostok und Woßchod.

Nach Komarows tragischem Tod räumte der damals beteiligte Ingenieur Boris Tschertok ein: „Was Komarow passiert ist, war unser Fehler. Wir haben ihn zu früh losgeschickt. Die Sojus war noch nicht ausgereift.“ Daher hätte es mehr unbemannte Testflüge gebraucht. Nur im Politbüro in Moskau habe das niemand wahrhaben wollen, kommentierte 2013 die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“.

Schon zu Beginn des Flugs sah sich Komarow mit schweren technischen Problemen konfrontiert. Eine weitere Sojus, die ursprünglich kurz danach zu einem Rendezvous im All hätte starten sollen, blieb daher am Boden.

Schließlich ging es nur noch darum, den Kosmonauten in seinem schwer angeschlagenen Raumschiff lebend zur Erde zurückzuholen. Doch als nach vielen anderen Systemen zuletzt auch noch der Fallschirm versagte, gab es keine Rettung mehr. „Komarow haben die Konstrukteure auf dem Gewissen“, so Tschertok.

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