Solar Impulse 2
Mit Sonnenkraft um die Erde

Mit seinem Rekordflug im Ballon um die Erde ist Bertrand Piccard zum Mythos geworden. Jetzt will er wieder die Welt in einem unkonventionellen Fluggerät umrunden. Rekorde stehen dieses Mal aber nicht im Vordergrund.
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Es fehlte nicht viel und Bertrand Piccard wäre vom Himmel gefallen. Als der Schweizer Flugpionier 1999 nach der ersten Nonstop-Ballonfahrt um die Welt in Ägypten landete, war der Propangas-Tank schon fast leer. „Damals schwor ich mir“, so Piccard, „dass ich die nächste Weltumrundung unabhängig von Treibstoff machen würde.“

Mit Rekorden ist Bertrand Piccard groß geworden: Sein Großvater Auguste Piccard stieß als erster Mensch im Ballon bis in 16.000 Meter Höhe vor. Vater Jacques Piccard ließ sich in einer Tauchkugel fast elf Kilometer in die Tiefsee absinken – so tief wie kein Mensch vor ihm. „Mein Großvater ging nach oben, mein Vater nach unten“, so Bertrand Piccard einmal in einem Interview. „Was blieb mir übrig?“

Statt neuen Rekorden in immer größeren Höhen oder Tiefen nachzujagen, entschied sich Bertrand Piccard für eine Weltumrundung: Nach zwei Fehlversuchen in den beiden Jahren zuvor flog er 1999 als erster Mensch im Ballon um die Erde. Der Mythos Piccard war geboren.

Wenn der Schweizer nun erneut zu einer Weltumrundung in einem unkonventionellen Fluggerät startet, stehen Rekorde allerdings nicht im Vordergrund. Das Projekt Solar Impulse, der Flug um die Erde im Solarflugzeug, ist ausdrücklich nicht als Rekordjagd geplant. Mit dem Flug solle vielmehr ein „Beitrag zur Forschung und Innovation im Dienste der erneuerbaren Energien“ geleistet werden, heißt es aus dem Team des Solarfliegers.

Am Montag (9. März) wird „Solar Impulse 2“ (Si2) zu ihrer 35.000 Kilometer langen Flugreise um die Erde starten – falls der Take-off in Abu Dhabi am Persischen Golf nicht noch einmal wegen schlechten Wetters verschoben werden muss. Was Skeptiker lange als Utopie abtaten, nimmt Piccard mit dem Schweizer Piloten André Borschberg und einem großen Team in Angriff.

An 25 Tagen sollen verschiedene Piloten abwechselnd mit der Si2 in der Luft sein. In zwölf Etappen geht es über Maskat in Oman weiter nach Indien und China und schließlich bis in die USA. Von New York aus führt die Route anschließend über den Atlantik nach Südeuropa oder alternativ nach Nordafrika. Schließlich soll der Solarflieger Ende Juli/Anfang August wieder den Persischen Golf erreichen.

Diese Mammutdistanz muss das Experimentalflugzeug ohne einen Tropfen Kerosin bewältigen. Angetrieben wird die Maschine von vier Elektromotoren mit einer maximalen Leistung von je 15 Kilowatt, deren Kraft mit Hilfe von über 17.000 Solarzellen der Sonne „abgezapft“ wird. Damit erreicht Si2 eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern und eine maximale Flughöhe von 8500 Metern.

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