Solarzellen ohne Silizium
Kraft der Sonne

Eine neue Generation von Solarzellen liefert Strom für weniger Geld. Jetzt gehen die ersten Produktionsanlagen in Deutschland in Betrieb.
  • 0

DÜSSELDORF. Für Reinhold Würth war es schon länger klar: Solarzellen, die ohne das knappe und entsprechend teure Silizium auskommen, gehört die Zukunft. Der Schraubenkönig aus dem Schwabenland, Inhaber des gleichnamigen Handelsunternehmens aus Künzelsau, hatte die neuartigen Zellen 1999 im Stuttgarter Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung entdeckt und sich gleich mit Feuereifer auf die Zukunftstechnologie gestürzt. Er gründete das Tochterunternehmen Würth Solar und beschloss, in einer historischen Kraftwerkshalle in Marbach am Neckar eine Pilotanlage für die neuartigen Solarzellen bauen zu lassen.

Rund fünf Jahre lang experimentierten die Würth-Solar-Mitarbeiter. Sie probierten Beschichtungsanlagen aus, testeten Laser, trainierten Roboter. Dann hatten sie den Dreh raus. "Hier haben wir gelernt, wie solche Zellen am kostengünstigsten herzustellen sind", sagt Würth-Solar-Geschäftsführer Karl-Heinz Groß. Nun folgt der zweite Schritt: Am 27. Oktober weiht das Unternehmen in einem neuen Industriegebiet in Schwäbisch Hall seine Serienfertigungsanlage für Solarzellen der zweiten Generation ein.

Diese fein linierten, anthrazitfarbenen CIS-Dünnschicht-Sorlarzellen liefern fast ebenso viel Strom wie Siliziumzellen, kommen aber mit weitaus weniger Material und Energie bei der Produktion aus. Hauchdünne Filme aus Kupfer-Indium-Diselenid ersetzen die heute gebräuchlichen massiven Platten (Wafer) aus kristallinem Silizium. Im ersten kompletten Produktionsjahr sind 200 000 Module in der Größe 60 mal 120 Zentimeter geplant, die bei maximaler Sonneneinstrahlung eine Leistung von 14,8 Megawatt haben. Bis 2011 soll die Fabrik, in die Würth Solar bisher rund 55 Millionen Euro investiert hat, auf 80 Megawatt ausgebaut werden.

Mit Dünnschichtzellen sind erstmals seit Langem Preissenkungen möglich. In den vergangenen Jahren sind die Preise für Solaranlagen noch gestiegen: auf 6 250 Euro pro Kilowatt installierte Leistung, das ist ein Plus von rund zehn Prozent in zwei Jahren. Gleichzeitig verdoppelten sich nach Beobachtungen der Fachzeitschrift Photon die Margen der Hersteller auf durchschnittlich 30 Prozent. Trotzdem amortisieren sich Solaranlagen nach 12 bis 14 Jahren. Denn nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ist die Stromwirtschaft verpflichtet, pro Kilowattstunde Solarstrom rund 50 Cent zu zahlen, mehr als zehnmal so viel, wie Strom an der EEX-Börse in Leipzig gewöhnlich kostet. Winfried Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Solarwirtschaft und Geschäftsführer von Schott Solar, einer Tochter des Glasspezialisten Schott, macht sich dennoch Sorgen: "Es gibt Firmen, die Preisopportunitäten in diesem Mark nutzen."

Schott-Chef Udo Ungeheuer geht unterdessen davon aus, dass die Preise für Module um mehr als fünf Prozent pro Jahr sinken werden. Manche Hersteller erwarten vom Einsatz der neuen Technologien und dem massiven Ausbau der Fertigungskapazitäten sogar eine Halbierung der Herstellungskosten. Weltweit werden derzeit zahlreiche neue Produktionsanlagen gebaut und erweitert, vor allem in Deutschland, dem heute schon größten Solarmarkt der Welt.

Seite 1:

Kraft der Sonne

Seite 2:

Kommentare zu " Solarzellen ohne Silizium: Kraft der Sonne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%