Sonde ins All gestartet
China will den Mond erobern

Zum ersten Mal hat China am Mittwoch eine eigene Mondsonde ins All geschickt. Der Start vom Raumfahrtzentrum Xichang wurde live vom staatlichen Fernsehen übertragen. Das Projekt soll den Status der Volksrepublik als „Weltraummacht“ untermauern. Voraussichtlich im April nächsten Jahres will Indien ebenfalls eine Mondsonde ins All schießen. Und auch für die USA wird der Erdtrabant wieder interessant.

PEKING. Die Sonde mit dem Namen „Chang’e“, die von einer Rakete des Typs „Langer Marsch 3“ in die Umlaufbahn gebracht wird, soll den Mond etwa ein Jahr lang umrunden. Die Exkursion, bei der Bilder von der Oberfläche gemacht werden sollen, hatte China vor einem Jahr als Vorbereitung für den ersten bemannten Mondflug angekündigt. Nach den Planungen Pekings wird der erste Chinese bis 2024 auf dem Erdtrabanten landen.

Die Bilder der Sonde sollen schon bald wissenschaftliche Untersuchungen des Bodens auf dem Mond ermöglichen. Die ersten Fotos von „Chang’e“ werden Ende November erwartet. Die Sonde ist mit Stereokameras und Röntgenspektrometern ausgestattet, um ein dreidimensionales Bild der Oberfläche zu erhalten. Der Name der Mondsonde stammt aus einer chinesischen Sagengeschichte über eine Fee, die auf dem Erdtrabanten wohnt.

China hatte 2003 als dritter Staat nach den USA und Russland eigene Astronauten ins All gebracht, die Taikonauten getauft wurden. Die Volksrepublik liefert sich momentan vor allem mit dem Rivalen Indien ein Rennen um den Mond. Der Nachbar hatte im Mai ebenfalls angekündigt, binnen eines Jahres eine Mondsonde zu starten. Auch die USA, die 1969 mit dem Apollo-Programm den ersten Menschen zum Mond gebracht hatten, wollen bis 2018 erneut dorthin.

Der Mondflug werde „die technologische Grundlage für die Entwicklung der chinesischen Weltraumforschung“ sein, sagte am Dienstag ein Sprecher des chinesischen Projektes. Peking verfolgt seit Jahren ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm und hat bereits mehr als 100 Satelliten und sechs bemannte Raumschiffe in den Weltraum geschickt. Geplant wird momentan auch eine vierte Startbasis für Satelliten auf der chinesischen Tropeninsel Hainan. Bis 2012 will Peking ein unbemanntes Fahrzeug auf den Mond bringen. Eine dritte Mission soll 2017 Mineralproben vom Erdtrabanten holen, so berichten die Staatsmedien. Indien will 2011 einen Roboter Gesteinsproben auf dem Mond sammeln lassen.

Bei Indiens Mondplänen gehe es nicht allein um Technologie, sagt Sun Kwok, Experte der University of Hongkong. China sei nun endlich „eine Supermacht“, so der Professor, der an dem „Chang’e“-Projekt mitarbeitet. „Es zeigt, dass China mehr und mehr zum Mitglied der internationalen Weltraumgemeinschaft wird.“

Schon seit längerem versucht die Volksrepublik, zur Weltraummacht aufzusteigen. Dafür hat Peking bereits zweimal die Welt geschockt: 2003 sorgte der erste chinesische Astronaut für Aufregung. Dieses Jahr schoss China ohne Vorankündigung einen ausrangierten Wettersatelliten ab und löste damit weltweit große Sorge über einen Rüstungswettlauf im All aus – besonders in den USA. China forderte daraufhin mit Russland ein generelles Verbot von Weltraumwaffen.

Mit der Mondsonde „Chang’e“ sendet Peking nun wieder versöhnlichere Signale nach Washington. „China ist ernsthaft daran interessiert, mit den Vereinigten Staaten bei der Weltraumforschung zusammenzuarbeiten“, sagte kürzlich Vize-Wissenschaftsminister Li Xueyong. Peking strebe eine Beteiligung an der Internationalen Raumstation ISS an. „Das Programm hat 16 Länder, und wir hoffen, der 17. Partner zu werden“, so Li Xueyong. Bislang scheitert die Zusammenarbeit am Widerstand der Amerikaner, die die Chinesen nicht mit an Bord der ISS lassen wollen.

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