Sonnenaktivität
Macht die Sonne eine Pause?

Forscher haben Anzeichen dafür entdeckt, dass sich unsere Sonne in den kommenden Jahren eine kleine Auszeit nimmt – was möglicherweise nachhaltige Auswirkungen auf die Erde hat.
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Düsseldorf„Der Sonnenfleckenzyklus könnte einen Winterschlaf halten“, sagt Frank Hill vom National Solar Observatory (NSO). Auf der Jahrestagung der American Astronomical Society in New Mexico hat der Wissenschaftler Anfang der Woche gemeinsam mit weiteren Forscherteams neue Erkenntnisse zur Sonnenaktivität vorgestellt. Alle Daten weisen darauf hin, dass der kommende Sonnenfleckenzyklus sehr schwach ausfallen oder sogar vollkommen ausbleiben wird.

Sonnenflecken liefern Wissenschaftlern Informationen über die Aktivität der Sonne. Die Flecken – dunkle Stellen auf der sichtbaren Sonnenoberfläche – sind deutlich kälter als das sie umgebende Gas. Ein durchschnittlicher Sonnenfleckenzyklus dauert elf Jahre, im Verlauf dieser Zeit pendelt die Sonnenaktivität zwischen einem Minimum mit wenigen Flecken und einer sehr aktiven Phase, in der sehr viele Flecken zu sehen sind.

Hill und seine Kollegen haben nun herausgefunden, dass bestimmte Strömungen im Sonneninneren, die üblicherweise den Beginn eines neuen Sonnenzyklus’ ankündigen, bislang ausgeblieben sind. Zum jetzigen Zeitpunkt müssten die Strömungen bereits nachweisbar sein. „Aber wir sehen keine Anzeichen“, erklärt Hill. Ein Hinweis, dass der neue Sonnenzyklus erst verspätet beginnt – oder auch gar nicht.

Eine Vermutung, die von den Forschungsergebnissen von Matt Penn und William Livingston, ebenfalls vom National Solar Observatory, unterstützt wird. Die beiden fanden heraus, dass die Stärke bestimmter solarer Magnetfelder, die für die Entstehung der Sonnenflecken entscheidend sind, langfristig abgenommen hat. Für den kommenden Zyklus sei es fraglich, ob diese überhaupt stark genug sein werden, um Sonnenflecken entstehen zu lassen.

Auch die Ergebnisse von Forschungskollege Richard Altrock unterstützen die These: Der NSO-Forscher hat die magnetische Aktivität in der Sonnenkorona untersucht, die üblicherweise dafür sorgt, dass die Spuren des alten Sonnenzyklus zu Beginn einer neuen Aktivitätsphase in Richtung der Sonnenpole verschoben wird. Doch schon der aktuelle  Zyklus 24 ist bislang nicht stark genug, diese Bewegung auszulösen.

Alle drei Beobachtungen lassen vermuten, dass sich unser Zentralgestirn eine kleine Auszeit nimmt – möglicherweise sogar für einige Jahrzehnte. „Das könnte Auswirkungen auf die Erkundung des Weltalls und das Klima der Erde haben“, sagt Hill. Für die Raumfahrt etwa hätte dieser Befund gute und schlechte Seiten: Satelliten wären weniger stark dem „Beschuss“ durch Teilchen des Sonnenwindes ausgesetzt, der die empfindliche Technik bedroht. Gleichzeitig würden aber ein höherer Anteil der kosmischen Strahlung ins Sonnensystem gelangen, was für Astronauten außerhalb des schützenden Magnetfelds der Erde ein größeres Gesundheitsrisiko bedeutet.

Das letzte lang anhaltende Aussetzen der Sonnenfleckaktivität wurde zwischen 1645 und 1715 beobachtet: das sogenannte Maunderminimum. Es ging einher mit extrem strengen Wintern in Europa, Asien und Nordamerika. Ob diese klimatischen Veränderungen in direktem Zusammenhang mit der nachlassenden Sonnenaktivität standen, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Kommt es wirklich zu der sich jetzt abzeichnenden neuen „Schwächephase“ unseres Zentralgestirns, könnte dieser Forschungsstreit endgültig entschieden werden.

Annika Reinert
Carina Grewe
Handelsblatt Online

Kommentare zu " Sonnenaktivität: Macht die Sonne eine Pause?"

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  • Na immerhin, wenn's klappt mit der Eiszeit, dann können wir gleich unsere griechischen Kreditforderungen in schmucke Inselchen in der Ägäis tauschen - für die hätten wir dann ja erst recht Verwendung...

  • Wenn die Sonne tatsächlich eine "Pause" macht, werden die Pseudowissenschaftler des Klimawandels wahrscheinlich groß losposaunen, dass alle Maßnahmen zur Klimarettung jetzt ihre Wirkung zeigen. Es ist der Erfolg der CO2-senkenden Maßnahmen. Die Sonne darf sich diesen Orden keinesfalls an die Brust heften. Nein die Sonne ist nicht der Grund. Die Sonne wurde durch die Senkung des menschengemachten CO2-Ausstoßes sozusagen "gedimmt". Endlich wieder kalte Winter. Kaum vorstellbar. Letzten Winter musste ich jeden Morgen einen halben Meter Klimawandel vor meiner Haustür weggschieben. Ich konnte mir garnicht erklären, wo der ganze Schnee mitten im Winter herkommt. Dann muss sich unsere Regierung aber was neues einfallen lassen, um uns das Geld aus den Taschen zu ziehen. CO2-senkende Maßnahmen sind dann nämlich out. Wahrscheinlich werden wir dann zur CO2-Ausströmung verpflichtet, damit es endlich wieder wärmer wird. Alle, die ihr Haus gedämmt haben, müssen Strafabgaben zahlen. Und die, die Solarzellen auf dem Dach haben, werden weniger Strom ins Netz einspeisen und weniger Stromsubventionen kassieren. Hoffen wir, dass es so kommt und endlich die Pseudowissenschaftler unter der Leitung des Propagandaführers Al Gore für immer ihren Mund halten.

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