Sonnensegel für die ISS
„Atlantis“-Crew beginnt Arbeit

Einen Tag nach dem Andocken an der Internationalen Raumstation ISS hat die „Atlantis“-Crew mit der Installation der neuen Sonnensegel begonnen. Ein notwendiger Außenbordeinsatz wurde jedoch durch ein technisches Problem verzögert.

HB WASHINGTON. Mit Hilfe des Roboterarmes der ISS wurde ein 17,5 Tonnen schweres Segment an der rechten Seite der Raumstation montiert. Die beiden Nasa-Astronauten Jim Reilly und John Olivas wollten dann zum ersten sechseinhalb Stunden langen Außeneinsatz ins All aussteigen. Sie müssen Stromkabel verbinden und die Boxen der mehr als 70 Meter langen Sonnenpaneele öffnen. Mehrere Gyroskope, die die ISS stabilisieren, funktionierten vorübergehend jedoch nicht richtig, wie Nasa-Sprecher John Ira Petty erklärte. Der Einsatz der Astronauten werde sich dadurch um bis zu eine Stunde verschieben.

Zuvor war die Raumfähre „Atlantis“ mit sieben Astronauten an Bord in der Nacht zum Montag an Bord der ISS eingetroffen. Die Crew ist der erste Besuch von der Erde, den die ISS-Besatzungsmitglieder in diesem Jahr erhalten. Getrübt wurde die Freude von der Sorge um eine Beschädigung der „Atlantis“.

Nach Auswertung der ersten Foto- und Videoaufnahmen vom Start am Freitagabend in Cape Canaveral in Florida sind nach Angaben der Nasa bislang keinerlei problematische Beschädigungen an der Raumfähre entdeckt worden. Ein Stück Schaumstoff, dass sich mehr als zwei Minuten nach dem Start vom Außentank gelöst hatte, habe die „Atlantis“ nicht getroffen, sagte Flugdirektor John Shannon am Sonntagabend im Kontrollzentrum in Houston (Texas).

Nasa-Techniker prüfen nach den Worten von Shannon, wie sie mit einer zehn mal 15 Zentimeter großen Ecke einer Isoliermatte verfahren sollen, die umgeknickt ist und jetzt wie ein Dreieck nach oben steht. „Das Einfachste wäre, sie einfach wieder herunter zu drücken“, sagte Shannon.

Shannon zeigte sieben Aufnahmen von Raumfähren, die mit beschädigten oder abgerissenen Kacheln und Isoliermatten sicher zur Erde zurückgekommen sind. In einigen Fällen wurden durch die extreme Hitze bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre aber darunter liegende Strukturen beschädigt. Die Nasa will jedoch Reparaturen an der „Atlantis“ vermeiden, weil die Raumfähre bereits im Dezember das europäische Weltraumlabor „Columbus“ zur ISS fliegen soll.

Das umgeknickte Stück Isoliermatte befindet sich am linken oberen Teil des Hecks der Raumfähre. Anders als der besonders beanspruchte Hitzeschild wird dieser Teil der „Atlantis“ nach den Worten von Shannon „nur“ 370 Grad Celsius heiß.

Die siebenköpfige „Atlantis“-Crew hatte am Sonntagabend um 21.36 Uhr MESZ an der ISS angedockt. Zur Begrüßung läutete der russische Kosmonaut Oleg Kotow eine Glocke und die Nasa-Astronautin Sunita Williams sprach ins Bordmikrofon: „Die Atlantis ist da“. Die Nasa- Astronauten brachten Kotow und dem russischen ISS-Kommandanten Fjodor Jurtschichin T-Shirts als Gastgeschenke mit. Nach knapp acht Minuten Hände schütteln, Umarmungen und Späßen schaltete sich das Kontrollzentrum in Houston ein: „Geht bitte zurück zur Arbeit.“

Langzeitastronautin Sunita Williams, die am 9. Dezember mit der „Discovery“ zur ISS flog, tauschte mit dem Nasa-Astronauten Clayton Anderson die Plätze. Der 48-Jährige wird jetzt bis Oktober die Langzeitbesatzung auf der Raumstation verstärken.

Die 41 Jahre alte Williams wird mit der „Atlantis“ als mehrfache Rekordhalterin zur Erde zurückkehren. Die indischstämmige Astronautin hat dann mit mehr als sechs Monaten als Frau die längste Zeit ohne Unterbrechung im All gelebt. Den bisherigen Rekord hielt ihre Nasa-Kollegin Shannon Wells Lucid (64), die 1996 insgesamt 179 Tage auf der russischen Raumstation Mir verbracht hatte.

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