Soziologie Die Angst vor dem fremden Glauben

Viele Deutsche fürchten um den gesellschaftlichen Frieden. Der Grund: Die Vielfalt der Religionen erscheint ihnen gefährlich – und vor allem der Islam wird als feindselig wahrgenommen. Mit Intoleranz habe das nichts zu tun, sagen Soziologen.
  • Ferdinand Knauß
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Betender Moslem in Berlin: Hohe Bedrohungswahrnehmung in der Bevölkerung. Quelle: ap

Betender Moslem in Berlin: Hohe Bedrohungswahrnehmung in der Bevölkerung.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. „Vielfalt“ wird in der Regel als etwas Schönes und Positives dargestellt. Doch zumindest wenn es um Religion geht, sehen sehr viele Deutsche das Neue offenbar nicht als „Bereicherung“ – obwohl der öffentliche Diskurs es empfiehlt. Eine repräsentative Studie der Münsteraner Religionssoziologen Detlef Pollack und Olaf Müller kommt zu dem Schluss, dass die Zahl derjenigen zunehme, „die in der wachsenden Vielfalt der Religionen eine Bedrohung des sozialen Friedens sehen und auf die Assimilation des ,Fremden’ drängen.“

Die große Anzahl religiöser Gruppen, in erster Linie aber der Islam, sorge für Unsicherheit unter den Menschen, wie Pollack und Müller in einem Beitrag auf www.religion-und-politik.de darlegen, der Homepage des Exzellenzclusters „Religion und Politik" der Westfälischen Wilhelms-Universität. Die Daten deuteten darauf hin, dass das überwiegend kritische Bild von fremden Religionen in der Bevölkerung in erster Linie durch den Islam geprägt sei.

Die Studie bestätigt damit andere Umfragen, zum Beispiel des Allensbach-Instituts von 2006, in denen eine Mehrheit der Deutschen ein sehr negatives Bild vom Islam gezeichnet hatte und statt friedlichen Zusammenlebens eher gewaltsame Konflikte auf Deutschland zukommen sah.

Eine ganz aktuelle, von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Umfrage von „dimap“ kommt allerdings zu dem widersprechenden Ergebnis, dass die meisten Deutschen von Zuwanderern keine Anpassung an den eigenen Lebensstil verlangen und ihre persönlichen Erfahrungen mit Einwanderern eher positiv seien. Allerdings wurde in der Dimap-Studie nicht speziell nach muslimischen Einwanderern gefragt. Das könnte den scheinbaren Widerspruch der Ergebnisse erklären.

Pollack und Müller zufolge wird der muslimische Glaube geradezu spiegelbildlich zum Christentum bewertet. Wie auch andere Untersuchungen gezeigt hätten, sähen viele Menschen im Christentum vor allem Nächstenliebe, Wohltätigkeit und Friedfertigkeit, im Islam dagegen die Benachteiligung der Frau, Rückwärtsgewandtheit, Fanatismus und Gewaltbereitschaft.

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