„Space Plane“ gelandet
US-Luftwaffe feiert mysteriösen Jungfernflug

Viel mehr Aufsehen kann ein „Top-Secret“-Projekt wohl kaum erregen: Nach 220 Tagen im All ist in Kalifornien der Testflug des „Space Planes“ erfolgreich zu Ende gegangen. Das Militärprojekt ist Experten in aller Welt ein Rätsel, Russland befürchtet gar die Aufrüstung. Was immer das Shuttle leisten soll, die US-Luftwaffe war offenbar zufrieden.
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HB WASHINGTON. Ende einer geheimnisumwitterten Dienstfahrt: Nach sieben Monate langem Testflug im All ist das „Space Plane“ der US-Luftwaffe wieder auf der Erde. Das unbemannte Raumschiff landete am Freitag rund eine Stunde nach Mitternacht (Ortszeit) auf dem Militärflughafen Vandenberg in Kalifornien. Die Militärs sprachen von einem erfolgreichen Jungfernflug, der „mehr als 220 Tage“ gedauert habe. Einzelheiten wurden nicht genannt - das Unternehmen gilt als „top secret“.

Bei dem Vehikel unter dem Code-Namen X-37B handelt es sich praktisch um eine Mini-Version eines Space Shuttle. Es ist gerade mal 8,80 Meter lang, hat zwei kurz gestutzte Flügel und soll die Erde in rund 900 Kilometer Höhe umkreist haben.

Das Gefährt - auch Orbital Test Vehicle (OTV) genannt - war am 22. April vom militärischen Teil des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral in Florida von einer Atlas-V-Rakete in den Orbit befördert worden. Über die genaue Dauer der Reise hatten sich die Militärs zunächst ausgeschwiegen. „Ehrlich gesagt, wissen wir nicht sicher, wann es zurückkommt“, war alles, was der für Raumfahrt-Programme zuständige stellvertretende Luftwaffen-Staatssekretär Gary Payton damals verriet.

Unklar ist vor allem, welche künftigen Aufgaben die Militärs für den Mini-Shuttle ins Auge fassen.

Bereits zum Start gab es wütende Kritik aus Moskau. Russland wirft den USA vor, den Weltraum militarisieren zu wollen. „Die USA haben schlichtweg auf die Rufe Russlands und der Welt gespuckt, auf die Pläne zur Stationierung von Waffen im Weltraum zu verzichten“, meinte Ex-Luftwaffenchef Anatoli Kornukow im April. Der X-37B-Orbiter erhöhe die Kampffähigkeit der USA deutlich.

Als Antwort müsse Moskau ein neues System zur Abwehr von Angriffen aus dem All entwickeln, sagte Kornukow. Das Space Plane zeige das Bestreben der USA, „in den Weltraum zu gelangen und uns zu bedrohen“.

Aufgabe des Jungfernflugs war es, zunächst die Navigations- und Flugleitsysteme, Materialien und Dichtungen dem Realitätstest zu stellen. Die Raumfähre sollte in der Umlaufbahn ihre Ladebucht öffnen und ihre Sonnensegel entfalten.

An dem Orbital Test Vehicle wurde über zehn Jahre lang gearbeitet. Begonnen wurde das Projekt in den späten 1990er Jahren zunächst von der zivilen Raumfahrtbehörde NASA, 2004 übernahm dann das Militär das Projekt - zusammen mit dem Hersteller, der Boeing-Abteilung „Phantom Works“. Es heißt, die Luftwaffe habe bereits einen zweiten X-37B- Orbiter bestellt.

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  • jetzt entwickelt sich sogar schon ein Spaceshuttle zur Nanotechnologie...

    @winter: 100kW aus welcher Entfernung? Hier wird doch nur ein altes Konzept von interkontinentalen Raketen, die durch einen Laser im nahen Weltraum auf dem Zenit der bahn zerstört werden zu Grabe getragen.

    Der neueste Raketenersatz heisst ja Scram-Jet und ist noch viel schneller da auf dem direkten Weg.

    Aber eigentlich wäre es noch viel einfacher die bereits vor Ort liegenden Atomwaffen zu knacken. in Russland tausende in Amerika tausende. Wird wohl eh schon die eine oder andere "geknackt" sein oder fehlfunktionieren oder woanders sein als man so denkt...

  • Theoretisch kann man mit einem 100 kW Laser 60 cm Stahl schneiden und das alles mit Lichtgeschwindigkeit, d.h. theoretisch könnte man mit Laser-Sateliten sämtliche interkomtinentalraketen zu Schrott degradieren. Wie gesagt theoretsich ...oder vielleicht schon praktisch.
    Das wäre dann eine neue Form der militärischen Überlegenheit der USA.

  • Die Welt ist auf jeden Fall sicherer, wenn 2 Menschen statt ein die Waffen besetzen.

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