Spezialfirmen
Kontaktlinsen für den Tiger

Nicht nur Menschen können fehlsichtig werden. Die kleine High-Tech-Firma S&V Technologies aus Hennigsdorf hat sich auf vierbeinige Patienten eingestellt und produziert Intraokularlinsen für Tiere. Vor allem teure Pferde, Fohlen, dressierte Tiere und Zoobewohner sind die Patienten.
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BERLIN. Die Sicht auf die Welt des Seelöwen wurde immer trüber, bis er mit seiner Nase keine Bälle mehr balancieren konnte und orientierungslos wurde. Diagnose: Grauer Star. Das dressierte Tier gehört zu den Attraktionen im Erlebnispark Seaworld in San Diego. Normalerweise wäre der Seelöwe eingeschläfert worden. Doch durch eine neuartige Intraokularlinsen für Tiere, die Christine Kreiner mit ihrer brandenburgischen Firma S&V Technologies in Hennigsdorf entwickelt hat, konnte das Tier gerettet werden. Anstelle der eingetrübten natürlichen Augenlinsen trägt es nun künstliche.

„Der Seelöwe kann wieder seiner Arbeit nachgehen“, berichtet Christine Kreiner zufrieden. Die Vorstandsvorsitzende der kleinen High-Tech-Firma kann auch sonst zufrieden sein, denn Intraokular-, Kontakt- und therapeutische Linsen für Tiere sind ein wachsendes Geschäftsfeld des Unternehmens. „Nachdem ich 20 Jahre lang Produkte für die Augenheilkunde in der Humanmedizin entwickelt habe, war es naheliegend, sich zusätzlich in der Veterinärmedizin umzusehen“, erzählt die promovierte pharmazeutische Chemikerin. Schließlich gibt es viele Überschneidungen.

Nur: Wie stellt man den Grad der Fehlsichtigkeit eines Tieres fest? Ein Sehtest funktioniert nicht. Kreiner greift dafür auf verschiedene klinische Studien zurück, in denen ermittelt wurde, welche Brechkraft welches Tier benötigt: „Tiere lesen ja nicht, so dass sie selbst bei Abweichungen von plus minus einer Dioptrie gut sehen.“

Gleichwohl haben tierische Augen mit bis zu 40 Dioptrien hohe Brechkräfte, womit ihnen sehr dicke Linsen implantiert werden müssten, was zu Komplikationen führen könnte. Daher hat die Hennigsdorfer Firma spezielle faltbare Linsen auf Basis eines Hydrogels entwickelt, die mit einem Injektor in das Auge geschoben werden. Für das patentierte Verfahren muss die Hornhaut nur ein wenig aufgeschnitten werden, was die Infektionsgefahr vermindert und die Erholungszeit verringert.

Die Linsen sind trotz ihres Wasseranteils von 25 bis 28 Prozent formstabil und geometrisch präzise. Überdies kommt es dank des speziellen Polymers zu keinen Unverträglichkeiten, wie das bei Silikon sein kann. Vor allem teure Pferde, Fohlen, dressierte Tiere und Zoobewohner sind die Patienten. Zu den Exoten zählte bisher ein Känguru, ein Löwe und ausgerechnet ein für seine Sehkraft sprichwörtlicher Adler.

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