Spitzbergen-Tagebuch
Der Duft des hohen Nordens

Für die einen ist Spitzbergen nur eine Inselgruppe im Nordatlantik, für andere ist es das größte Labor der Welt. Handelsblatt-Redakteur Ferdinand Knauß berichtet aktuell über seine Reise durch ein Land, in dem Wissenschaft noch vor dem Tourismus die wichtigste Branche ist. Im vierten Teil seines Spitzbergen-Tagebuchs berichtet er über die sauberste Luft der Welt.
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NY ÅLESUND. Betritt man eine der Forschungsstationen in Ny Ålesund, umfängt einen sogleich ein würziger Duft, der jedem Alpinisten auch von Berghütten wohlbekannt ist: Er entsteht unweigerlich in gut genutzten Wanderstiefeln. Auf Spitzbergen hat sich der alte Brauch der Bergarbeiter gehalten, in Häusern die Schuhe auszuziehen. Angeblich haben die Ehefrauen der Kumpels das verlangt, um weniger putzen zu müssen.

Man läuft aber nicht nur in Wohnhäusern auf Socken, sondern auch in öffentlichen Gebäuden wie der Kantine oder in Hotels. Auch am Universitätszentrum finden die Seminare ohne Schuhe statt.

Für die besonders sensiblen Nasen von Hunden dürfte das komplexe Duftgemisch, das in den Eingangbereichen aller Gebäude hängt, ein Overkill sein. Wahrscheinlich werden die in Spitzbergen sehr verbreiteten Schlittenhunde auch deswegen ausschließlich im Freien gehalten. Sie liegen in ihren Hundehütten und warten darauf, mit Seehundfleisch gefüttert zu werden. Die ausgenommenen Robben hängen pittoresk von galgenartigen Gerüsten herunter – damit die Eisbären nicht drankommen.

Von den Eingangsräumen der Häuser abgesehen, ist die Luft in Spitzbergen so rein und sauber wie sonst kaum irgendwo auf der Welt. Da ist auch einer wichtigsten Gründe dafür, dass die Erforschung der Atmosphäre hier so wichtig ist. Man kann weitgehend sicher sein, dass die Luft nicht durch lokale menschliche Aktivitäten beeinflusst ist und Messungen daher ein verzerrtes Bild liefern. Was hier an Aerosolen (Schwebeteilchen) oder Spurengasen zu finden ist, kann daher Rückschlüsse über globale Entwicklungen erlauben.

Eine Mitarbeiterin des Norwegischen Polarinstituts nimmt uns mit auf ihre tägliche Fahrt zur Außenstation auf dem „Zeppelinberg“. Mit einer Seilbahn erreicht man die noch vollständig eingeschneite Berghütte, die mit Messgeräten vollgestopft ist. Eine Art riesiger Staubsauger saugt kontinuierlich die Bergluft durch verschiedene Filter, die mit chemischen Substanzen getränkt sind, um Spurengase zu binden. Nach einigen tagen werden diese Filter entnommen und zur Analyse an die Universität Stockholm versand.

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