Forschung + Innovation
Sprachfähigkeiten deutscher Kinder lassen nach

Die Sprachfähigkeit des deutschen Nachwuchses hat nach Einschätzung von Linguisten deutlich abgenommen. Die Fähigkeit, komplexe Texte zu verstehen, sei bei vielen Schülern und auch Studenten in den ersten Semestern „sehr schwach“, kritisierte der Sprachwissenschaftler Kay Gonzalez.

dpa KöLN. Die Sprachfähigkeit des deutschen Nachwuchses hat nach Einschätzung von Linguisten deutlich abgenommen. Die Fähigkeit, komplexe Texte zu verstehen, sei bei vielen Schülern und auch Studenten in den ersten Semestern „sehr schwach“, kritisierte der Sprachwissenschaftler Kay Gonzalez.

Die Sprache sei das „wichtigste intellektuelle Werkzeug“ und die Sprachfähigkeit damit Schlüsselkompetenz, sagte am Freitag am Rande einer internationalen Fachtagung mit 700 Experten in Köln. Mehrere deutsche Hochschulen wollten nun in einem Projekt vor allem über Lehrerfortbildung Abhilfe schaffen.

An dem Projekt der Gesellschaft für Sprachwissenschaft beteiligen sich Gonzalez zufolge etwa Hochschulen in Hamburg, Berlin, Köln, Marburg, München, Bielefeld und Bochum. Derzeit würden an den Hochschulen Expertenteams zusammengestellt, die sich mit Fortbildungsangeboten zum Thema Sprachdidaktik an Lehrer und auch Mitarbeiter der Bildungsministerien wenden wollen. „Wir wollen klar machen, was für ein Defizit tatsächlich vorliegt und dass wir auch Änderungen bei der Lehrerausbildung und in den Lehrplänen brauchen“, sagte der Kölner Germanist.

„Wir betreiben hier einen Riesenaufwand, die Projektvorbereitungen laufen schon seit längerem“, sagte Gonzalez, der an der Universität Köln forscht. Ziel sei es, dass die Schüler deutlich mehr und besser lernten und das Lernen auch Freude bereite. „Im Moment wird ja noch nach den wissenschaftlichen Ergebnissen von vor 40 Jahren unterrichtet.“ Dem starren Auswendiglernen von Grammatikregeln etwa erteile die Wissenschaft heutzutage schlechte Noten.

Im Gegensatz zu der Sprachfähigkeit, die gezielt gefördert werden müsse, funktioniert der Spracherwerb Gonzalez zufolge praktisch ungesteuert. „Der Erwerb der Muttersprache funktioniert auch ohne Anleitung, solange ein Kind ausreichenden Sprachen-Input hat, also Eltern oder anderen Sprechenden zuhören kann.“

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