Spurensuche

So lassen sich Chemiewaffen nachweisen

Die Welt wartet auf die Ergebnisse der UN-Untersuchungen in Syrien. Sollten Chemiewaffen eingesetzt worden sein, könnten sie vor Ort wohl nachgewiesen werden. Schwieriger ist die Frage nach den Verantwortlichen.
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UN-Beobachter versuchen die Hintergründe des mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatzes in Syrien zu ermitteln. Quelle: dpa

UN-Beobachter versuchen die Hintergründe des mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatzes in Syrien zu ermitteln.

(Foto: dpa)

Trotz der mehrtägigen Verzögerung bei der Untersuchung der jüngsten Chemiewaffen-Vorwürfe gegen die syrische Regierung könnten die UN-Experten vor Ort durchaus noch Spuren von chemischen Kampfstoffen finden. Denn der Einsatz von Chemiewaffen, wie er jetzt vermutet wird, ist auch über einen längeren Zeitraum hinweg nachweisbar.

Das Nervengas Sarin etwa lässt sich auch nach Tagen noch im Boden oder in den Überresten explodierter Munition nachweisen. Bei schwer vergifteten Menschen könnten Spuren von Sarin noch bis zu sechs Wochen später in Körperflüssigkeiten wie Blut oder Urin nachgewiesen werden, so der Toxikologe Alastair Hay von der britischen Universität Leeds.

Sarin ist ein Nervengift, das schon in kleinsten Mengen tödlich wirkt. Es kann sowohl über die Atmungsorgane wie auch über die Haut oder die Augen aufgenommen werden. Im Körper verursacht es eine Störung der Signalübertragung zwischen Nervenzellen, was eine Dauererregung aller Nervensysteme bewirkt, die letztlich zum Tod führt.

Da Sarin farb- und geruchlos ist, bemerken Opfer den Kontakt mit dem Gift zunächst nicht. Eine wirksame Behandlung von Vergifteten ist kaum möglich, die Zahl der Todesopfer bei einem Angriff mit Sarin deshalb meist sehr hoch.

Schon vor dem mutmaßlichen Großeinsatz von Giftgas in der vergangenen Woche sind mehr als ein Dutzend konkrete Verdachtsfälle für den Einsatz von Giftgas in Syrien bekanntgeworden. Frankreich, die Türkei und die USA haben nach eigenen Angaben Belege dafür, dass unter anderem Sarin eingesetzt wurde.

Mehrere hundert Liter Kampfstoffe
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5 Kommentare zu "Spurensuche: So lassen sich Chemiewaffen nachweisen"

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  • Die Frage ist nicht, ob Chemiewaffen eingesetzt worden sind, sondern von wem? Trotz des schrecklichen Leids muß man kühlen Kopf bewahren und die Angelegenheit sorgfältig untersuchen.

    Trotz der scheinbaren Sicherheit, daß das Assad-Regime dieses Giftgas eingesetzt hat, ist man doch etwas irritiert, weil die Gegner gerade im Niedergang begriffen sind!

    Zuerst: "Cui Bono?

    Und hier muß man klar sagen:
    1. Es nützt den Assad-Gegnern! Ohne Giftgas wären die Gegner bald am Ende!
    2. Es nützt den USA/Westen bei der Isolierung des Iran!

    Schlimm wäre es, wenn dieser Verdacht zutrifft und demnächst weitere unschuldige Menschen den US & UK Bombern zum Opfer fallen würden!

  • Wer hat den größten Nutzen durch den Einsatz von Chemiekampfstoffe??? Die vom Westen unterstützen Terroristen, die z.Zt. auf der Straße der Verlierer stehen.

  • Manchmal sind die Überschriften so blöd, dass man gar nicht weiterlesen muss. Die Frage ist nicht ob Chemiewaffen eingesetzt wurden, sondern wer sie einsetzte.

  • "Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hat den Besitz von Giftgas indirekt eingeräumt, allerdings ohne Einzelheiten zu nennen. Es unterstellt den Aufständischen, sie hätten sich inzwischen ebenfalls Chemiewaffen beschafft." (Zitat im Artikel)


    Ein User schrieb gestern im Kommentarbereich:

    Syrische Armee fand Giftgasfabrik der Terroristen

    Einar Schlereth
    26. August 2013

    Die 'Voice of Russia' berichtete gestern, dass die syrische Armee in einem Vorort von Damaskus ein Lager mit chemischen Materialien gefunden haben. Voice of Russia führte ein Exklusivinterview mit der Journalisten Yara Saleh, die für den syrischen Informationskanal Al-Ihbariya arbeitet. Sie hat zusammen mit anderen Journalisten den Platz besichtigt und berichtete, dass das Lager gleichzeitig ein Laboratorium war, in dem Granaten mit giftigen Chemikalien gefüllt wurden. Das Lager befand sich in einem Tunnel im Vorort Jobar von Damaskus.


    Warum findet man den Hinweis nicht in den hiesigen Medien ??

  • Da , wo das Sarin sich befindet, muessen doch jede Menge Leichen liegen. Kontaminiert, wie die sind, kann man sie ja am Orte nur liegen lassen.

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