Stadtentwicklung
Gegen urbanen Wildwuchs

Metropolis wächst und wächst weiter. In entwickelten Volkswirtschaften leben mittlerweile 85 Prozent der Bevölkerung in Städten. Fragt sich nur wie. Armut und soziale Fragmentierung, Verwahrlosung ganzer Stadtregionen, Kriminalität, und vor allem "mismatches" zwischen Arbeiten und Wohnen mit entsprechend hohem Verkehrsaufkommen sind ein Fakt und werden zunehmen

BERLIN. In den Innenstädten vertreiben Yuppies und Dinks (double income, no kids) die ansässige Bevölkerung aus ihren Quartieren. Dieser "New Urbanism" schottet sich ab von den "Krisengebieten" gleich nebenan. Die Mehrheit der wohlhabenden Wahlbevölkerung wohnt in der Vorstadt, wohin sie sich ihre Arbeitsplätze nachholt. Zersiedelung ist und bleibt ein Problem. Wer bei solchen Szenarien an die Großstädte der USA denkt, liegt richtig. Die Schreckensbilder der verödeten Innenstädte von Chicago oder Detroit mit ihrer Konzentration von Armut und ethnisch-sozialer Segregation sind gut bekannt - und vor allem weit weg.

"In Europa und speziell vor der eigenen Haustür scheinen solche Probleme nicht so prominent zu sein", erklärt der Berliner GeographGerhard Braun, "das liegt aber nur an ihrer etwas besseren baulichen Verpackung." Die Probleme sind längst da, auch in Europa, auch in Deutschland. Sie sind unterschiedlich gravierend und unterschiedlich fortgeschritten. In den USA ist man wie üblich nur ein bisschen schneller. Auch wenn es darum geht, die Versäumnisse der Vergangenheit rückgängig und die Stadt wieder zu einem wohnlichen Ort für alle ihre Bewohner zu machen.

Das Konzept vieler amerikanischer Kommunen gegen Dezentralisierung und Verwahrlosung, gegen die bestehenden Muster der Stadtentwicklung heißt "Smart Growth", intelligentes Wachstum. Erfunden wurde es in Portland, Oregon. "Smart", so Braun, "sollte man mit ?nachhaltig? übersetzen." Der Stadtforscher hat zusammen mit seinen Studierenden das Planungs- und Steuerungskonzept in der Millionenstadt am Pazifik untersucht. Der Wissenschaftler will herausfinden, ob und wie das US-Konzept auf deutsche beziehungsweise europäische Verhältnisse übertragbar ist.

In Portland läuft seit zwei Dekaden das kommunale Entwicklungskonzept unter dem Begriff "Entkalifornisierung" der Region. Gesichtslose Agglomerate ohne Kern wie Los Angeles oder San José will man gar nicht erst entstehen lassen, soziale Probleme und Umweltverschmutzung in den Griff bekommen, mithin die drei großen "E" des Prinzips "Smart Growth" in Planung und Entwicklung verwirklichen: Ecology, Economy, Equity.

Gegen Wildwuchs hilft geplantes Wachstum, die Stadtkontur wird vor dem Ausfransen und der verbliebene "open space" vor der Betonmischmaschine geschützt. Statt auf der grünen Wiese zu bauen, füllt man den Kern auf. Kurz: Wohnen, Arbeiten und Erholen werden wieder zusammengeführt, und alles, was der Mensch zum Leben braucht, soll ohne Auto erreichbar sein.

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