Städteplanung
Deutsche zieht es zurück in die City

Die Deutschen ziehen wieder in die Innenstadt. Architekten und Städteplaner reagieren auf den Trend.

HB DÜSSELDORF. Rem Kolhaas, der niederländische Architekt und Designer, erklärt die Entwicklung der Städte in Europa gern mit der Metapher von den Eiern. Als im Mittelalter die Stadt als Siedlungsform entstand, war sie ein hart gekochtes Ei: ein Stadtkern mit einer festen Mauer. Dann kam die Spiegelei-Phase: Stadtmauern fielen und die Viertel dehnten sich immer weiter aus. Seit dem 20. Jahrhundert herrscht in der Urbanistik die Rührei-Zeit: Zersiedelung, Reihenhaus-Kolonien, Shopping-Center auf der grünen Wiese und verödende Innenstädte.

Der neueste Wohntrend in Deutschland hat noch keinen plakativen Namen: Die Zahl der Menschen steigt, die zurück in die Innenstadt ziehen. Die Renaissance der City hat nicht nur demographische Ursachen, sondern auch ästhetische Konsequenzen - für die Rem Kolhaas, der gerade das Logo für die österreichische EU-Präsidentschaft kreiert hat, dann die passende Bezeichnung finden muss.

Zwei Gründe nennen Stadtplaner für die neue Entwicklung: Die Lebensgewohnheiten der Deutschen ändern sich und auch die Gesellschaft. Das Phänomen ist erforscht und statistisch festgehalten: Die Deutschen werden weniger und haben eine höhere Lebenserwartung. Weniger Kinder werden geboren, die Zahl der Single-Haushalte wächst. Die Wohnformen ändern sich.

Die Zeit, in der sich die zubetonierten deutschen Innenstädte zu Ghettos für Alte und Arme entwickelten, während Familien mit Kindern so bald wie möglich in die Speckgürtel zogen, scheint zu Ende zu gehen. Der aktuelle Raumordnungsbericht des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung konstatiert: Metropolen wachsen nicht mehr, aber es gibt einen kontinuierlichen Bevölkerungszuwachs in westdeutschen Städten und Gemeinden. Die Abwanderung ins Umland, die Suburbanisierung, hat sich verlangsamt. Makler bestätigen, dass die Einfamilienhäuser am Stadtrand langfristig an Wert verlieren.

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