Städtische Rechner werden auf Linux umgerüstet
München muckt auf: Microsoft fliegt raus

Der Angriff auf Microsoft beginnt ausgerechnet an der Isar, wo Microsoft heute sein neues Programm vorstellt: Als erste deutsche Großstadt hat München in diesem Jahr beschlossen, seine 14 000 städtischen PCs von Microsoft-Software auf Linux umzurüsten. Kein Einzelfall: Immer mehr Firmen und Kommunen wollen künftig ohne die Programme des amerikanischen Software-Riesen auskommen.

MÜNCHEN. Die Entscheidung Münchens hat weltweit Aufmerksamkeit erregt, weil sie zu einer Art Finale im Glaubenskrieg zwischen Microsoft und den Befürwortern der so genannten Open-Source-Software eskaliert. Linux ist eine solche Software, deren Quellcode für jeden Kunden und Programmierer einsehbar ist. Der größte Vorteil von Linux: Für das Betriebssystem werden keine Lizenzgebühren fällig.

„Viele Städte aus dem In- und Ausland kommen auf uns zu und erkundigen sich, wie wir auf Linux umrüsten“, sagt Ernst Wolowicz, der bei der Stadt München für die Umstellung zuständig ist. Doch so weit ist die Stadt noch gar nicht: Bis kommendes Frühjahr wird in München zusammen mit IBM und Suse Linux ein Konzept für den Wechsel erarbeitet. Dann muss sich der Stadtrat nochmals mit dem Thema befassen. Bis 2006 soll ein großer Teil der Umstellung abgeschlossen sein, hofft Wolowicz.

München erhofft sich langfristig Einsparungen in Millionenhöhe. Außerdem: Bislang hat Linux dem US-Riesen Microsoft lediglich bei Betriebssystemen auf Netzwerk- Rechnern Konkurrenz gemacht. In München geht es nun aber auch um die Ablösung von Windows und PC-Programmen wie dem neuen Office auf den Geräten der Endnutzer. Das trifft Microsoft an einer empfindlichen Stelle, denn die Büro-Programme sind für die Amerikaner ausgesprochen lukrativ.

Bis sich weitere Kommunen für Linux entscheiden, ist wohl nur eine Frage der Zeit. „Eine ganze Reihe von Städten ist dabei, sich das zu überlegen“, betont ein Sprecher des Nürnberger Software-Hauses Suse Linux. Dazu zählt unter anderem die österreichische Hauptstadt Wien. Die Stadt Schwäbisch Hall hat bereits 350 Nutzer mit Linux ausgerüstet.

In Unternehmen ist Linux bereits weit verbreitet. Das hat nicht nur Kostengründe. Viele IT-Manager sind überzeugt, dass Linux mehr Schutz gegen die Angriffe von Hackern bietet als die Microsoft-Produkte. Das hat auch das Außenministerium in Berlin erkannt und deshalb in den vergangenen Monaten ein Hochsicherheitsnetz für seine Botschaften in aller Welt aufgebaut, das mit Linux läuft.

Microsoft und Linux schließen sich aber nicht gegenseitig aus. Wo es sinnvoll sei, würden die Microsoft-Produkte weiter eingesetzt, heißt es bei der Stadt München.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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