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Stärkste Kanone der Natur: Pilz „schießt“ mit 130 km h

Ein gewöhnlicher Getreidepilz besitzt die mit Abstand stärkste Kanone der Natur: Er verschießt seine Sporen mit 130 Kilometern pro Stunde und beschleunigt sie dazu zehn Mal stärker als ein Gewehr - mit der 870 000fachen Erdanziehungskraft.

dpa DURHAM. Ein gewöhnlicher Getreidepilz besitzt die mit Abstand stärkste Kanone der Natur: Er verschießt seine Sporen mit 130 Kilometern pro Stunde und beschleunigt sie dazu zehn Mal stärker als ein Gewehr - mit der 870 000fachen Erdanziehungskraft.

Das berichten US-Biologen im Fachblatt „Fungal Genetics and Biology“ (Bd. 42, S. 528). Bauern müssen sich dennoch nicht vor der Pilzkanone fürchten: Die winzigen Sporen von Gibberella zeae fliegen trotz der großen Kraft nur rund fünf Millimeter weit.

Frances Trail und Iffa Gaffoor von der Michigan State University in East Lansing schufen eine Art Schießstand für die Getreidepilze. In dieser kleinen Glaskammer konnten sie die Schussweite und das Gewicht der Sporen bestimmen. Steven Vogel von der Duke-Universität in Durham (US-Staat North Carolina) berechnete mit einem Spezialprogramm Beschleunigung und Geschwindigkeit der Pilzgeschosse. Wegen der winzigen Abmessungen der Sporen werden sie stark vom Luftwiderstand gebremst. Der Pilz muss sie daher sehr stark beschleunigen, um ihnen eine Chance zu geben, sich mit dem Wind zu verbreiten.

Ziel der Untersuchungen war, die Funktion der Pilzkanone besser zu verstehen. Der Pilz baut im Fruchtkörper mit Hilfe der Osmose einen hohen Druck auf, der sich schließlich in dem Schuss entlädt. Die Forscher wollten wissen, ob der osmotische Druck mit Hilfe des Zuckers Mannitol oder durch Kalium entsteht. Die Analyse der Versuche lege nahe, dass Kalium das „Schießpulver“ der Pilze sei, schreiben die Biologen. Bei der Osmose fließt so lange Flüssigkeit durch eine Membran, bis die Konzentration gelöster Stoffe auf beiden Seiten gleich ist.

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