Stammzellenforschung: Schrankenloses Forschen

Stammzellenforschung
Schrankenloses Forschen

Der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo Suk sorgt seit einem Jahr für Aufsehen. Erst wurde er international gefeiert, denn seine Ergebnisse galten als Durchbruch in der Stammzellforschung. Inzwischen ist der Professor des Betrugs und der Fälschung überführt.

STUTTGART. Der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo Suk sorgt seit einem Jahr für Aufsehen. Erst wurde er international gefeiert, denn seine Ergebnisse galten als Durchbruch in der Stammzellforschung. Ihm war angeblich weltweit Einmaliges gelungen: die Produktion embryonaler Stammzellen durch Klonen. Forscher schauten mit Bewunderung nach Seoul. Inzwischen ist der Professor des Betrugs und der Fälschung überführt.

Der Fall Hwang Woo Suk ruft etwas ins Bewusstsein, was die Wissenschaftsexperten seit einiger Zeit umtreibt: Drohen asiatische Länder wie Südkorea oder China dem Westen auf Grund ihrer vermeintlichen Forschungsfreiheit den Rang in der Spitzenforschung abzulaufen? Verliert der Westen den Anschluss im Wettlauf um Erfinderruhm und Fördergelder, weil er seine ethischen Standards verteidigt?

In der internationalen Spitzenforschung teilen sich nicht länger nur die Industrienationen des Westens und Japan den Kuchen. Die Konkurrenz aus China, Korea und Taiwan wächst. Bei den staatlichen Investitionen für Forschung und Entwicklung liegt Japan vor Südkorea, den USA, Deutschland und China. Doch das Reich der Mitte strebt nach oben. Erklärtes Ziel der Volksrepublik ist es, bis 2010 zu den führenden Nationen in Bildung und Wissenschaft zu gehören. Der Wettbewerb mit China werde künftig alle wissenschaftlichen Disziplinen mit einbeziehen, sagt Margot Schüller, die stellvertretende Leiterin des Hamburger Instituts für Asienkunde, insbesondere jedoch Informations-, Kommunikations-, Bio- und die Nanotechnologie.

Im Dialog und Wettbewerb zwischen Ost und West spielt die Wissenschaftsethik eine immer größere Rolle. Dazu gehören Diskussionen über die ethischen Grenzen in der biomedizinischen Forschung ebenso wie weltweit gültige Standards bei Themen wie Datenklau und Urheberrechten.

Kopieren hat in Asien Tradition. Und war nichts Unanständiges, im Gegenteil: "Im vormodernen China waren Copyright und Patentschutz unbekannt. Schon Konfuzius sagte von sich, er sei ein bloßer Überlieferer, der also weitertrug, was andere vor ihm gesagt hatten. Von einem Meister abzuschreiben galt geradezu als Respektsbezeugung und Kompliment. In den ersten Jahrzehnten der Volksrepublik war vom Schutz des geistigen Eigentums kaum die Rede. Wenn jemand etwas erfand, geschah dies im Rahmen der Staatswirtschaft und fiel praktisch automatisch in das so genannte sozialistische Eigentum. Die Gesetzgebung, den Schutz des geistigen Eigentums in China betreffend, ist kaum 20 Jahre alt. Wie kann man da erwarten, dass diese Gesetzgebung optimal funktioniert?" erklärt Harro von Senger, Sinologe an der Universität Freiburg.

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