Stammzellforschung: Forscher klonen menschlichen Embryo aus Körperzelle

Stammzellforschung
Forscher klonen menschlichen Embryo aus Körperzelle

US-Wissenschaftler haben aus einer Hautzelle einen menschlichen Embryo geklont. Damit ist der Forschung eine weitere Etappe auf dem Weg zur Herstellung maßgeschneiderter embryonaler Stammzellen gelungen. Diese gelten als mögliche Wunderwaffe gegen schwere Krankheiten wie Diabetes oder Parkinson.

HB NEW YORK. Die am Donnerstag vom Fachmagazin „Stem Cells“ im Internet publizierten Ergebnisse sind der erste dokumentierte Beweis dafür, dass gewöhnliche menschliche Zellen ausreichen, um geklonte Embryonen herzustellen. Mit diesen wäre es dann möglich, Stammzellen zu produzieren.

Der Erfolg gelang nicht in einer Universität sondern in dem kalifornischen Unternehmen Stemagen, das Therapien mit Stammzellen entwickeln will. Dort gelang den Forschern um Andrew French, was 2004 der Südkoreaner Hwang Woo Suk behauptet hatte, bevor er als Fälscher entlarvt wurde.

Die Forscher pflanzten Zellkerne mit dem Erbgut von Hautzellen erwachsener Spender in entkernte menschliche Eizellen ein. Daraus entwickelten sich fünf so genannte Blastozysten, also Embryos im Frühstadium etwa fünf Tage nach der Befruchtung. Deren Erbinformation entspricht exakt derjenigen des Hautzellen-Spenders.

Menschliche Blastozysten wurden bereits mehrmals geklont, allerdings nicht, wie in diesem Fall aus Körperzellen, sondern aus Stammzellen. Um Therapien zu ermöglichen, muss nun das nächste Ziel sein, sich selbst vermehrende Linien embryonaler Stammzellen aus diesen Blastozysten zu gewinnen. Diese könnten für Therapien beim Spender der Körperzellen eingesetzt warden, da sie exakt sein Erbgut tragen.

Samuel Wood, einer der Autoren des Berichts und Chef der kalifornischen Gen-Firma Stemagen, erklärte, sein Team versuche nun, solche embryonale Stammzellen herzustellen. Diese sind eine große Hoffnung der Medizin: Sie könnten bei der Untersuchung von Krankheiten helfen und eines Tages auch die Transplantationsmedizin revolutionieren. Herzkrankheiten, Diabetes oder auch Parkinson könnten besser behandelt werden.

Der Stammzellforscher Miodrag Stojkovic von der britischen Newcastle University gratulierte in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ den Amerikanern. Auf Grund der zahlreichen Tests sei er sicher, dass zumindest eine der Blastozysten ein echter Klon sei.

Aus der amerikanischen Konkurrenzfirma Advanced Cell Technology in Los Angeles kamen Kritik und Zweifel: Die veröffentlichten Daten bewiesen nicht, dass die Eizelle komplett reprogrammiert sei, also das Erbgut der Hautzelle angenommen habe. Auf den mitveröffentlichten Photos sähen die Blastozysten außerdem „sehr ungesund“ aus.

Kritiker sehen in der Gewinnung embryonaler Stammzellen eine unmoralische Technologie. Für sie geht es darum, menschliches Leben in einem Labor zu erschaffen, nur um es dann wenige Tage später zu zerstören - um an die Stammzellen zu kommen. Auch Gesundheitsrisiken für Frauen, die sich für die Eizellspende einer Hormonbehandlung unterziehen müssen, werden immer wieder kritisch angeführt. Wegen dieses Einwandes hatte ein Forscherteam im November Furore gemacht, dem es erstmals gelungen war, Hautzellen in Stammzellen umzuwandeln.

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