Forschung + Innovation
Stammzelltherapie gegen Blasenschwäche

Die Blasenschwäche (Harninkontinenz) vor allem bei älteren Frauen und Männern kann mit körpereigenen Stammzellen behandelt werden.

dpa MüNCHEN. Die Blasenschwäche (Harninkontinenz) vor allem bei älteren Frauen und Männern kann mit körpereigenen Stammzellen behandelt werden.

Dabei werde aus dem Oberarmmuskel Zellmaterial entnommen, die daraus gewonnenen Stammzellen würden dann in den geschwächten Schließmuskel der Harnröhre injiziert, berichtete am Donnerstag der Urologe Prof. Rudolf Hartung vom Münchner Klinikum rechts der Isar. „Die Muskelzellen bilden neue Fasern aus und stärken so den Schließmuskel“, sagte der Experte bei einem wissenschaftlichen Symposium. Die Beschwerden könnten in vielen Fällen dauerhaft geheilt werden.

Diese Form der Stammzelltherapie wurde den Angaben zufolge an der Urologischen Universitätsklinik in Innsbruck (Österreich) unter Leitung von Prof. Hannes Strasser entwickelt. Am Münchner Klinikum rechts der Isar sei sie erstmals in Deutschland angewandt worden, hieß es. Nach einer Innsbrucker Studie mit allerdings nur 42 Patienten seien rund 80 Prozent nach der Stammzelltherapie geheilt gewesen. In den restlichen Fällen habe die Harninkontinenz deutlich nachgelassen. Nebenwirkungen oder Komplikationen seien nicht aufgetreten. Inzwischen seien in Innsbruck mehr als 170 Patientinnen und Patienten mit dieser Methode behandelt worden, die allerdings nicht für alle Inkontinenz-Fälle geeignet sei.

Die Stammzellen würden unter kurzer Narkose über die Harnröhre injiziert, so dass keine Schnittoperation nötig sei, erläuterte Hartung. Mit einer Ultraschallkontrolle werde sichergestellt, dass die Zellen am richtigen Ort landen. „Dort integrieren sich die neuen Zellen in den Zellverbund und übernehmen die spezifischen Aufgaben der Muskel- und Bindegewebszellen in Harnröhre und Schließmuskel.“

Der Münchner Urologe Florian May betonte, dass Patienten mit Harninkontinenz sich häufig unsicher fühlten und nicht über ihr Problem reden wollten. In einer alternden Gesellschaft betreffe das Leiden immer mehr Menschen, denn das Erkrankungsrisiko steige mit zunehmendem Alter. „Rund 30 Prozent aller Männer und Frauen über 60 Jahre in Deutschland leben mit einer gestörten Blasenkontrolle“, sagte May.

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