Start ins All
US-Teleskop Kepler sucht die „zweite Erde“

Das US-Teleskop Kepler ist pünktlich am Freitagabend (Ortszeit) zu einer großangelegten Suche nach einer „zweiten Erde“ außerhalb unseres Sonnensystems gestartet. Das Teleskop soll nach Planeten mit erdähnlichen Bedingungen suchen, auf denen Voraussetzungen für Leben herrschen könnten. Es ist eine Suche mit Hindernissen.
  • 0

HB WASHINGTON. Die Sonde hob mit einer Delta-II-Rakete in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Aufgabe des Teleskops ist es, über drei Jahre nach erdähnlichen Planeten Ausschau zu halten, auf denen Voraussetzungen für Leben herrschen könnten.

"Das Team ist zufrieden mit dem Verlauf der Mission", sagte ein Nasa-Sprecher nach dem Start. Die US-Weltraumbehörde Nasaspricht von einer entscheidenden Etappe bei der Suche nach "neuen Welten" in der Region der Sternbilder Leier und Schwan in unserer Milchstraße. Kepler soll mehr als 100 000 sonnenähnliche Sterne ins Auge fassen und diese nach umkreisenden Planeten absuchen, die Ähnlichkeit mit der Erde haben könnten.

Das Teleskop ist nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannt, der vor 400 Jahren die Bewegungsgesetze der Planeten entdeckte. Nach Schätzungen von Astronomen enthält unsere Milchstraße mindestens 100 Mrd. Sterne.

Die Mission sei der erste Schritt zur Beantwortung der Urfrage aller Astronomen: "Gibt es andere Welten als unsere?", heißt es bei der Nasa. Zwar haben die Forscher bisher etwa 350 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Doch diese "Exoplaneten" sind entweder Jupiter-ähnliche Gasriesen oder es handelt sich um Planeten, die entweder viel zu heiß oder zu kalt sind, um Leben hervorzubringen.

Wichtigster Teil der rund drei Meter hohen Sonde ist eine 95 Megapixel-Digitalkamera. Es handelt sich laut Nasa um die stärkste Kamera, die jemals ins Weltall befördert wurde. Die Suche nach erdähnlichen Himmelskörpern ist allerdings schwierig. Die Planeten können zunächst nicht direkt in Augenschein genommen werden, stattdessen arbeiten die Wissenschaftler mit der "Transitmethode": Ein Planet, der vor seiner Sonne vorbeifliegt, verringert für eine kurze Zeit die Helligkeit dieses Sterns - diese Veränderung der Helligkeit soll Kepler messen. Erst später könnten Größe und Beschaffenheit des Planeten bestimmt werden.

Astronomen haben schon jetzt mehr als 300 Planeten entdeckt, die um fremde Sonnen kreisen. Die meisten davon sind aber unbewohnbare heiße Riesen, ähnlich dem Jupiter. Kepler soll vor allem in den Sternbildern Schwan (Cygnus) und Leier (Lyra) in der 600 bis 3 000 Lichtjahre entfernten Goldilock-Zone Ausschau halten, in der bewohnbare, erdgroße Planeten vermutet werden.

Rund 100 000 Sterne wird das Teleskop im Visier haben. Die Wissenschaftler schätzen, dass Kepler Hunderte neue Planeten findet, von denen vielleicht Dutzende in der Zone um ihre Sonne kreisen und Leben möglich sein könnte. Nach Leben selbst wird das Teleskop nicht Ausschau halten können, dass müssten künftige Geräte übernehmen.

Der Einsatz des 4,6 mal 2,8 Meter großen Teleskops soll von Start bis Ende der Mission 600 Millionen Dollar (478 Millionen Euro) kosten.

Mission Kepler

Kommentare zu " Start ins All: US-Teleskop Kepler sucht die „zweite Erde“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%