Stefan Hell
Ein ganz normaler Nobelpreisträger

Mehr Termine, mehr Einladungen, vermehrt Abwerbeversuche – ein Nobelpreis kann für den Geehrten anstrengende Folgen haben. Stefan Hell, der am Mittwoch den Chemie-Nobelpreis erhält, mag solche Veränderungen gar nicht.
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GöttingenWirklich aufgeregt sei er nicht, sagt Stefan Hell. „Aber ich freue mich sehr.“ Frack und Lackschuhe, wie das Protokoll es vorschreibt, sind angefertigt und liegen bereit. Und wenn der Göttinger Physiker am kommenden Mittwoch in Stockholm den Nobelpreis für Chemie entgegennimmt, wird er einen großen Tross mit sich führen. Seine Ehefrau und die drei Kinder, Freunde, langjährige Mitarbeiter und Kollegen der Max-Planck-Gesellschaft werden den 51-Jährigen nach Schweden begleiten.

Er sei sehr gespannt auf die Nobelpreis-Woche mit ihren vielen Vorträgen, Empfängen, Banketten, Konzerten und Feiern, sagt Hell. Höhepunkt ist am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, die Verleihung der Preise. Der Göttinger Max-Planck-Forscher und die beiden US-Wissenschaftler Eric Betzig und William Moerner erhalten gemeinsam den mit umgerechnet insgesamt rund 860.000 Euro dotierten Chemie-Preis für die Erfindung superauflösender Mikroskope, mit denen man in lebende Zellen sehen kann.

In Hells Leben hat sich manches verändert, seit ihm Anfang Oktober der Nobelpreis für seine wissenschaftliche Leistung zuerkannt wurde. Die Zahl der Termine zum Beispiel ist rapide angestiegen. „Ich hatte ja vorher schon viele Einladungen“, sagt der Forscher. „Aber das hat seither noch einmal drastisch zugenommen.“

Hell hat seine Art, damit umzugehen. „Vieles sage ich einfach ab. Ich muss ja weiter meine Arbeit machen.“ Und die Wissenschaft habe schließlich Vorrang.

Zugenommen haben auch die Anfragen von Wissenschaftlern, die gemeinsam mit dem Nobelpreisträger forschen wollen. „Es gibt Leute, die denken, wenn ich bei einem Preisträger arbeite, erhöht das die eigenen Karriere-Chancen, also bewerbe ich mich da“, sagt Hell. Manches echte Talent werde sich aber wohl leider auch nicht mehr trauen, sich zu bewerben. „Ich wünsche mir, dass das nicht passiert.“

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