Stereotypen
Forscher wollen ihr Image im Film verbessern

Wirre Haare, schiefe Brille, irrer Blick: Im Kino erscheinen Wissenschaftler oft in schlechtem Licht. Eine amerikanische Initiative will das ändern. Sie will mit Fehlern und Forscher-Stereotypen im Film aufräumen.
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DÜSSELDORF. Dass "Doc Brown" ein Wissenschaftler ist, erkennt man sofort: Sein Blick ist irre, sein Haar ungekämmt, und seine Apparaturen blinken beängstigend. Dabei kommt der "Doc" (Christopher Lloyd) als Freund und Helfer des Helden Marty McFly (Michael Fox ) in "Zurück in die Zukunft" noch vergleichsweise sympathisch rüber. Der "Mad Scientist" ist in Hollywood eine feste Institution. Klassischerweise ist er sadistisch und will mit seinen mysteriösen Erkenntnissen die Welt erobern ("Dr. No") oder zerstören ("Dr. Seltsam"). Man erkennt ihn daran, dass er böse grinst und hämisch in sich hineinlacht.

"Alle westlichen Filmkulturen setzen auf erstaunlich wenige, stets ähnliche Wissenschaftlertypen, die sich seit Beginn der Filmgeschichte quasi nicht verändert haben", sagt die Medienforscherin Petra Pansegrau vom Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) der Universität Bielefeld. Eine Forschergruppe der IWT hat für eine Studie mehr als 200 Filme untersucht, in denen Wissenschaft eine Rolle spielt, hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Italien und England. Nationenübergreifend gibt es drei Typen von Film-Forschern: den Weltretter und den verrückten Professor, der die Selbstkontrolle verliert, sowie den machtgierigen, der die Weltherrschaft an sich reißen will. Das war's.

Nachwuchswerbung mit Identifikationsangeboten sind diese Images nicht. Und deswegen soll damit nun Schluss sein: Die Amerikanische Akademie der Wissenschaften (NAS) will mit Fehlern und Forscher-Stereotypen im Film aufräumen und hat zu diesem Zweck den "Science & Entertainment Exchange" gegründet, einen wissenschaftlichen Beratungsservice für die Medienindustrie. Einer der ersten Kunden war das Produktionsteam des Films "Die Wächter" über gealterte Superhelden auf Weltrettungsmission, der seit dem 5. März in deutschen Kinos läuft.

Mittlerweile haben sich hier auch Serienmacher der Fernsehsender Home Box Office (HBO) und Discovery Tipps geholt. Ebenso die Macher von TRON-2, dem Folgefilm des Science-Fiction-Klassikers über Computerprogrammierung und virtuelle Welten. Die Dreharbeiten sollen demnächst beginnen.

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