Sternentstehungsgebiet NGC 6729: Chaos in der stellaren Kinderstube

Sternentstehungsgebiet NGC 6729
Chaos in der stellaren Kinderstube

Bei ihrer Geburt sorgen Sterne in ihrer Umgebung für chaotische Zustände – wie ein jetzt von der Europäischen Südsternwarte ESO veröffentlichtes Bild belegt.
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DüsseldorfSterne entstehen im Verborgenen: Tief eingebettet in interstellare Molekülwolken, entziehen sich die neugeborenen Sonnen üblicherweise der Beobachtung optischer Teleskope. Erst wenn sie stark genug sind, um sich durch die dichten Schleier aus Gas und Staub zu brennen, erstrahlen sie für den irdischen Betrachter in hellem Glanz.

Doch auch wenn den Astronomen der direkte Blick auf die Sternentstehung verwehrt bleibt, indirekt lässt sich das Spektakel sehr wohl verfolgen. Wie im Fall des Sternentstehungsgebiets NGC 6729 im Sternbild Südliche Krone (Corona Australis). Die Aufnahme des Very Large Telescope (VLT) der ESO zeigt eine Detailansicht dieser faszinierenden Himmelsregion.

Die jungen Sterne, die für das Chaos in ihrer Umgebung verantwortlich sind, verstecken sich oben links im Bild hinter dichten Staubschleiern. Von den Sternbabys gehen Materieströme aus, die sich mit Geschwindigkeiten von bis zu einer Million Kilometern pro Stunde bewegen. Wenn diese Ströme mit Gaswolken kollidieren, entstehen Stoßwellen, die das Gas zum Leuchten anregen.

Die fremdartig aussehenden, farbig glühenden Bögen und Flecken sind das Ergebnis dieses Prozesses – sie werden „Herbig-Haro-Objekte“ genannt. In der Aufnahme erscheinen die Herbig-Haro-Objekte entlang zweier Linien aufgereiht. Diese Linien entsprechen vermutlich den  Bewegungsrichtungen des ausgeworfenen Materials.

Um dieses beeindruckende Bild zu erhalten, mussten die ESO-Wissenschaftler mehrere Aufnahmen des VLT zusammensetzen. Die Einzelbilder wurden durch zwei verschiedene Filter aufgenommen, die lediglich das für Wasserstoff (orange) und für ionisierten Schwefel (blau) charakteristische Licht passieren ließen.

Die Farbunterschiede machen die unterschiedlichen Bedingungen in der chaotischen Sternentstehungsregion sichtbar: Bereiche, in denen das Licht des ionisierten Schwefels besonders hervortritt (die im Bild also blau erscheinen), kennzeichnen beispielsweise Regionen, in denen die Geschwindigkeiten des kollidierenden Materials vergleichsweise niedrig sind. Mit Hilfe solcher Informationen können die Astronomen die Vorgänge in dieser dramatischen Szene entschlüsseln.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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