Stichwort
Wie Betonkrebs den Autobahnen zusetzt

Eigentlich soll Beton die Straßendecke widerstandsfähiger machen. Doch wenn die Mischung nicht stimmt, wird der vermeintlich langlebige Straßenbelag schon nach wenigen Jahren von Betonkrebs zerfressen.
  • 0

Mit seiner Forderung nach einer Sonderabgabe für Autofahrer zur Reparatur maroder Straßen hat sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig nicht gerade viele Freunde gemacht. Dabei legt sein Vorstoß den Finger in eine besonders schmerzhafte Wunde: Vor allem das deutsche Fernstraßennetz ist in Teilen extrem sanierungsbedürftig. Und schuld daran ist ausgerechnet ein Stoff, der den Straßenbelag langlebiger machen sollte: Beton.

Für Straßendecken aus Asphalt gilt eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa zwölf Jahren. Dann müssen sie neu aufgelegt werden. Betondecken gelten als langlebiger und widerstandsfähiger. Ingenieure gehen von bis zu 30 Jahren Haltbarkeit aus – allerdings nur, wenn die Betonmischung in Ordnung ist. Ist sie es nicht, droht dem Straßenbelag der schleichende Tod durch den sogenannten Betonkrebs.

Zu diesem von Experten als Alkali-Kieselsäure-Reaktion bezeichneten Prozess kommt es, wenn sich bestimmte Kiessorten im Beton nicht mit dem Bindemittel Zement vertragen. Unter dem Einfluss von Regenwasser bildet sich ein Gel, das den Beton im Laufe der Jahre aufsprengt. Risse und Schlaglöcher sind die Folge, im schlimmsten Fall wird die Straße unpassierbar.

Die ersten Schäden an deutschen Autobahnen verursachte der Betonkrebs Ende der 1960er Jahre. Auch die Deutsche Reichsbahn hatte seinerzeit mit dem Problem zu kämpfen: Auf mehreren tausend Kilometern Bahnstrecke musste sie ab Mitte der 1970er Jahre von Betonkrebs beschädigte Spannbetonschwellen auswechseln.

Vor allem in Ostdeutschland, wo viele Autobahnen nach dem Ende der DDR grundsaniert oder neu gebaut wurden, ist der Betonkrebs heute ein Problem. So sind allein in Sachsen-Anhalt rund 220 von 956 Kilometern Richtungsfahrbahnen der Autobahnen 9, 14 und 38 von dem Problem betroffen. Eine Reparatur der beschädigten Fahrbahnen ist aufwendig und teuer: Rund 100.000 Euro kostet es, einen Kilometer „erkrankte“ Autobahn zu sanieren.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

Kommentare zu " Stichwort: Wie Betonkrebs den Autobahnen zusetzt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%