Stickstoffdioxid-„Inhalationsstudie“ Autolobby förderte Abgastests mit Menschen

Ein Forschungsverband von VW, Daimler und BMW förderte auch Tests, bei denen Menschen Stickstoffdioxid ausgesetzt wurden. Gesundheitseffekte soll es dabei nicht gegeben haben – in der Politik regt sich aber Empörung.
Update: 29.01.2018 - 12:34 Uhr 23 Kommentare
VW, Daimler, BMW: Verband finanzierte auch Versuch mit Menschen Quelle: dpa
Autoabgase

Die „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ hat möglicherweise Menschenversuche mit Stickstoffdioxid gefördert.

(Foto: dpa)

BerlinIm Abgasskandal soll es Diesel-Schadstofftests nicht nur mit Affen, sondern auch mit Menschen gegeben haben. Das geht aus einem Report der Vereinigung EUGT hervor, über den „Stuttgarter Zeitung“ und „Süddeutsche Zeitung“ berichten.

Den Berichten zufolge soll die von den Konzernen VW, Daimler und BMW gegründete Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) eine „Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen gefördert“ haben. Dies stehe in einem als Tätigkeitsbericht für die Jahre 2012 bis 2015 herausgegebenen Report. Dabei seien an einem Institut des Universitätsklinikums Aachen 25 Personen untersucht worden, nachdem sie jeweils über mehrere Stunden Stickstoffdioxid (NO2) in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet hätten. Laut der 2017 aufgelösten EUGT wurde keine Wirkung festgestellt.

Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus sagte der „Stuttgarter Zeitung“ jedoch, die 2016 veröffentlichte Studie sei nur eingeschränkt aussagekräftig. Zum einen ließen sich die Befunde nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen, zum anderen sei Stickstoffdioxid nur ein Teil der gesamten Luftbelastung.

Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten. Laut Umweltbundesamt (UBA) reizt Stickstoffdioxid unter anderem die Schleimhäute in den Atmungsorganen, als mögliche Gesundheitsfolgen für den Menschen werden Hustenreiz, Atembeschwerden und Augenreizung genannt. Weiter heißt es auf der UBA-Website: „Die Aufnahme erfolgt über die Atmung und kann unter Schädigung der Atemwege zu weiteren Störungen führen. Eine Zunahme von Herz- und Kreislauferkrankungen wird beobachtet.“

Laut Institutsleiter Kraus standen die Schadstoffversuche mit Menschen allerdings in keinerlei Verbindung mit dem Abgasskandal. Die Studie von 2013 habe sich mit dem Stickstoffdioxidgrenzwert am Arbeitsplatz befasst, erklärte Kraus am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Weil der Grenzwert herabgesetzt worden sei und es keine Studien zu Menschen gegeben habe, seien 25 gesunde Menschen Belastungen ausgesetzt worden, die unterhalb der Belastungen am Arbeitsplatz lägen. Die Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen hat die 2016 veröffentlichte Studie genehmigt.

Allerdings habe die von den Konzernen VW, Daimler und BMW gegründete Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) die Studie gefördert. Die Forscher seien von der EUGT jedoch „in keinster Weise“ beeinflusst, so Kraus.

Kraus erklärte, die NO2-Konzentration für die Studie sei vergleichbar mit der in der Umwelt gewesen. Die Probanden seien dieser Konzentration für drei Stunden ausgesetzt worden, gesundheitliche Effekte habe es nicht gegeben. „Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Dieselskandal“, betonte er.

Vor Bekanntwerden der Tests mit Menschen hatten bereits Tierversuche beim Test von Dieselabgasen breite Empörung ausgelöst. Sie wurden durch US-Ermittlungen zur VW-Abgasaffäre bekannt. Affen waren dabei gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden.

Die Tests mit den Affen waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Deshalb hatte die EUGT – die von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative – sie beim US-amerikanischen Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben. Federführend war laut dem Studienleiter dabei VW.

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23 Kommentare zu "Stickstoffdioxid-„Inhalationsstudie“: Autolobby förderte Abgastests mit Menschen"

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  • @ Herr Holger Narrog
    29.01.2018, 09:22 Uhr

    "Hallo Herr Behrend...die pöse Autoindustrie ist der Ast auf dem die deutsche Wirtschaft und damit indirekt auch Sie sitzen. Die unnötig komplexen, reperatursensiblen Autos und deren Reparaturen bezahlen Sie."

    Hallo Herr Narrog, wenn wir so weiter machen wie bisher, können wir uns ungefähr im Jahre 2035 /2040 die Kugel geben, weil wir dann vor lauter Umweltverschmutzung wie Karl der Käfer, mit dem Rücken auf dem Boden liegen und nach Luft japsen. Schon jetzt sind die Schadstoff-Emissionen in deutschen Großstädten früh morgens extrem hoch und es wird mit der Hinauszögerung von Problemlösungen leider nicht besser werden.

    Also hin zu sinnvolleren Maßnahmen. Zunächst einmal wäre ein großflächiger Boykott deutscher Automobilunternehmen ein Anfang. Gewissermaßen auch als erzieherische Maßnahme gegen Menschen- und Tier-verachtende Maßnahmen der Autolobby. Da schämt man sich nach den fürchterlichen Vorkommnissen bis 1945 ja schon fast ein Deutscher zu sein. Wieder Versuche an Menschen? Nichts dazu gelernt? Mehr als merkwürdig!

  • Autolobby förderte Abgastests mit Menschen!
    =================================
    Ein sehr lobenswertes Verfahren ! Es ist nur eine Kleinigkeit anzufügen.
    Die Menschen, an denen das getestet wird, müssen sehr sorgfältig ausgewählt werden.
    Es kommen nur folgende Kohorten infrage:
    1.) Spitzen-Entscheider der Autoindustrie!
    2.) Spitzen-Regierungs-Politiker aus Bund und Land!
    3.) Spitzen-Parlamentarier aus den Bereichen Industrie, Umwelt und Lobby!
    Bei diesen Kohorten ist dann eine äußerst intensive Begasung angebracht, damit sie dann auch zu umweltfördernden Entscheidungen kommen können. mwh

  • Herr Peter Spiegel
    29.01.2018, 12:09 Uhr
    Die Pillen und das Abgas, Kloni Sie müssen vorsichtiger sein, all das Zeug hat Sie krank gemacht.
    -----------------------------------------

    oky, das also war es, weshalb sie den Löffel gerade abgeben und dir nur noch das Meckern geblieben ist. Naja, bald ist es vollbracht

  • Herr K H, ja, wir alle ( die komplette "erste Welt", aber wenn wir mal ehrlich sind, alle Menschen) sind die blanke Pest für den Planeten. Und hier gibt es nur Pseudo-Ökos, vielleicht nicht ganz so zynisch, wie wenn sich Herr Soros als Philantrop geriert, aber schon die Richtung. Anders kann man hier gar nicht überleben, sonst wird man wegen Landstreicherei verknackt.

    Da darf man also schon realistisch sein - und nein, ich bin nicht mal Veganer, also definitiv Heuchler. Aber ich verzichte wenigstens bewusst auf Plastiktüten, nutze den ÖPNV, wenn es geht und kaufe den also solchen ettiketierten "grünen Strom". Aber klar, die Möglichkeiten, hier angenehm zu leben und den Planeten dabei nicht zu ruinieren, sind begrenzt. Deswegen in fatalistischer Manier einfach gar nichts zu tun und Vollgas zu geben, ist trotzdem bescheuert.

    Aber die ursprüngliche Frage war doch eine ganz andere und der (oder "mein") Ausgangspunkt dafür die unfassbar unreflektierte Ignoranz von Herrn Narrog. Nein, man muss eben nicht alles hinnehmen, wenn die Motive so offensichtlich unlauter sind. Man darf und muss die Autoindustrie an den Pranger stellen, wenn sie eine "Interessenvertretung" gründet, um neutral zu "forschen", ob die Abgase nicht doch vielleicht ganz harmlos sind, was für ein Bullshit, wie kann man sowas glauben? Glauben Sie auch, dass die INSM sich für eine "soziale Marktwirtschaft" einsetzt??

    Ich weiß, in Deutschland ist es gute Tradition, bei kriminellen Machenschaften der Konzerne und "Eliten" (jaja, ich weiß...) auf die eigenen Fußspitzen zu gucken und die Klappe zu halten, denn sonst gehen die ins Ausland und nehmen alle Arbeitsplätze mit. Aber ich glaube, gelegentliche sollte man es drauf ankommen lassen, etwas Haltung zu zeigen. Öfter.

  • Herr K H Und wenn die Pharmaindustrie ein Sauhaufen ist, so ist die Kritik an solch sinnlosen PR-Aktionen für irgendwelche Rechtsanwälte die Umweltschäden für Lobbyorganisationen damit verteidigen wollen, nicht eine absolut gerechtfertigt?

    So könnte man auch kommen und sagen, im Krieg gibt es auch Umweltverschmutzung und wenn man nicht gegen den Krieg ist, darf man auch nichts gegen den Diesel sagen.

  • Die Pillen und das Abgas, Kloni Sie müssen vorsichtiger sein, all das Zeug hat Sie krank gemacht.

  • @ F. Gessw.
    IN DER MEDIKAMENTENINDUSTRIE WURDE UND WIRD MEHR ALS GENUG MIT MENSCHEN VERSUCHE UNTERNOMMEN!
    Ich gehe davon aus, dass bei beendeten Studien nicht weiter geforscht und mit Menschen - wie im Falle der Automobilindustrie - zu diesem Thema nur EINMAL oder in geringer Anzahl Versuche unternommen werden.
    Nun gehe ich davon aus, dass Sie ein wirklich der Ökologie zugeneigter Mensch sind, wie auch ich. Von Ökospinnern und Gutmenschen rede ich nicht - sie sind schwer beschreibbar.
    Pseudo - Ökos sind jene, die "Wasser predigen und Wein saufen". Also jene, die sich über alle Kleinigkeiten beschweren, aber nicht die wirklichen Probleme, die auch sie selbst verursachen, betrachten wollen! Siehe Biogas - wollen Sie Herr Gessw. wohl auch nicht oder?

  • Herr Peter Spiegel
    29.01.2018, 11:37 Uhr
    Jetzt haben sie denn Ebert auch noch geklont, wie schrecklich überall Fliegen und Klone.
    -------------------------------------------------------

    ja schrecklich, Menschen die dem Tod so langsam ins Auge sehen, können nur noch meckern.

  • Jetzt haben sie denn Ebert auch noch geklont, wie schrecklich überall Fliegen und Klone.

  • Herr "K H" (ich weiß noch, wie ich mit der Handelsblatt-Redaktion über eine Verkürzung meines Names disktutieren musste, weil jemand hier im Forum nach einer Diskussion Bargeldabschaffung ja/nein damit gedrohnt hat, meiner Familie etwas zu tun... Wie kommen Sie an den Namen?)... Zurück zum Thema, das Sie ja verfehlt haben:

    Natürlich braucht es klinische Tests und Studien für neue Medikamente, auch an Menschen, um die Nebenwirkungen zu untersuchen.

    Was aber SIE nicht verstanden haben, ist: Manche Dinge sind schon untersucht. Zur genüge. Deswegen auch mein - von Ihnen offensichtlich nicht verstandener - Hinweis auf den Film. Der beginnt nämlich in der Forschungseinrichtung der amerikanischen Tabakindustrie, deren einziger Existenzgrund darin besteht, einen Haufen schwachsinniger Tests und Studien zu erstellen, die möglichst "inconclusive" sind, sprich dass man nicht sagen kann, dass Rauchen dem Menschen schadet.

    Auch für Sie mein Hinweis mit der Garage. Das hat nichts mit Gutmenschentum, Ökospinnertum oder sonst was zu tun. Wenn Sie das nicht kapieren wollen, ist das Ihr Problem.

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