Forschung + Innovation
Störe sollen wieder in Ostsee und Oder schwimmen

Der Stör kehrt nach Deutschland zurück. Am Flughafen Frankfurt/Main landen am Mittwoch ein Dutzend kanadischer Störe.

dpa BERLIN/FRANKFURT/MAIN. Der Stör kehrt nach Deutschland zurück. Am Flughafen Frankfurt/Main landen am Mittwoch ein Dutzend kanadischer Störe.

In speziellen Quarantänebecken der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei auf dem Darß (Mecklenburg-Vorpommern) sollen die insgesamt 20 Tiere den Grundstock für die Nachzucht der in Ostsee und Oder ausgestorbenen Fische bilden. Die ersten Exemplare waren bereits vor wenigen Tagen nach Deutschland geflogen worden.

Bis etwa 1920 gab es Störe in allen großen deutschen Flüssen. Verschmutzung, Gewässerverbauung und starke Überfischung machten den großen Fischen jedoch den Garaus. Die Tiere können je nach Art bis zu sechs Meter lang und 100 Kilogramm schwer werden. Vor allem in der Ostsee war der Stör wegen des Kaviars ein wirtschaftlich sehr wichtiger Fisch.

„Bei genetischen Untersuchungen haben wir festgestellt, dass der amerikanische Stör und nicht seine europäischen Verwandten in der Ostsee heimisch waren“, erläuterte Prof. Frank Kirschbaum vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) am Dienstag in Berlin. Die Experten hoffen, die ersten mit Sender versehenen Vertreter des Amerikanischen Atlantischen Störs (Acipenser oxyrinchus) 2006 zu Testzwecken in der Oder aussetzen zu können. Dann wollen die Forscher verfolgen, wo die Fische hinwandern und wo tödliche Gefahren liegen.

„Bis die Tiere geschlechtsreif sind, vergehen sogar in der Wildbahn zehn bis 15 Jahre. Und in der Zuchtstation dauert es noch länger“, berichtet Kirschbaum. Es werden also eher Jahrzehnte als Jahre vergehen, bis es wieder größere frei lebende Populationen geben wird. Am IGB werden seit 1996 etwa 20 Exemplare des europäischen Störs (Acipenser sturio) in Aquarien aufgezogen, die künftig in der Elbe ausgesetzt werden sollen. Anders als in der Ostsee lebten in Elbe und Nordsee nämlich Vertreter dieser europäischen Art.

„Heute interessieren sich neben Frankreich und Deutschland auch wieder Schweden, Dänemark und Polen für die Rückkehr des Störs“, sagte Kirschbaum. „Eigentlich sind die Tiere europaweit geschützt, aber es gibt doch immer wieder einzelne Fälle, wo von Fängen berichtet wird.“ Das Bundesumwelt- und das Bundesforschungsministerium unterstützen die Wiederansiedelung der Störe in den Zuflüssen von Nord- und Ostsee seit 1996 mit mehr als 1,8 Mill. Euro. Bereits 1994 hatten Fischzüchter und Forscher gemeinsam die „Gesellschaft zur Rettung des Störs“ gegründet.

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