Strom durch gebündeltes Licht
Start frei für neuartiges Sonnenkraftwerk

Im rheinischen Jülich ist der Startschuss für den Bau eines weltweit einzigartigen Solarturmkraftwerks gefallen. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben bezeichnete das Projekt als einen „Meilenstein auf dem Weg zur CO2-freien Stromerzeugung“.

HB JÜLICH. Das Solarturmkraftwerk bündele Licht auf einen Empfänger an der Spitze eines Turms. Mit den dadurch entstehenden hohen Temperaturen werde Dampf erzeugt, der eine Turbine zur Stromproduktion antreibe, teilte das Solar-Institut Jülich an der Fachhochschule Aachen am Dienstag mit. Die Versuchsanlage soll 2008 in Betrieb gehen und hat eine geplante Leistung von 1,5 Megawatt. Damit ließen sich rund 350 Haushalte mit Strom versorgen.

Bei dem Solarturmkraftwerk auf dem Gelände der Stadt Jülich handle es sich um ein konventionelles Dampfkraftwerk mit „solarer Feuerung“, teilte das Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen mit. Statt mit Öl, Gas oder Kohle wird der Wasserdampf mit Sonnenenergie erhitzt. Dabei werde die herkömmliche Brennkammer durch eine solare Brennkammer ersetzt. Die Zusammensetzung des solarthermischen Kraftwerks sei weltweit einmalig.

Mehrere 100 Spiegel mit einer Gesamtfläche von etwa 20 000 Quadratmetern, das entspricht der Fläche von etwa drei Fußballfeldern, werden am Boden aufgestellt. Bei Sonnenschein richten sich die Spiegel so aus, dass das Sonnenlicht auf die etwa 50 Meter hohe Turmspitze reflektiert wird. Durch die Licht-Konzentration entstehen in einem so genannten Empfänger Luft-Temperaturen von bis zu 1000 Grad. Die Temperaturen werden zur Dampferzeugung genutzt und von einer Turbine in Strom umgewandelt. Der Strom wird ins Netz eingespeist. Wissenschaftler erwarten im Vergleich zu herkömmlichen Solarkraftwerken einen höheren Wirkungsgrad.

Schwankungen der Sonneneinstrahlung sollen mittels eines neuartigen Speichers ausgeglichen werden. Bei fehlender Sonneneinstrahlung könnte das Kraftwerk in Zukunft auch konventionell mit Biomasse betrieben werden. Teile des Kraftwerks wurden bereits im spanischen Almeria erfolgreich getestet. Doch wird in Jülich nun erstmals das Gesamtsystem aus den Solarkomponenten und den herkömmlichen Kraftwerksteilen erprobt.

Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) ging von der Anwendung vor allem in sonnenreichen Ländern aus. Für Deutschland habe das Solarkraftwerk eher eine industriepolitische Bedeutung. Betreiber des knapp 22 Mill. Euro Projektes sind die Stadtwerke Jülich. Die Länder Nordrhein-Westfalen, Bayern und der Bund fördern das Projekt mit 10,6 Mill. Euro. Baubeginn ist im Jahr 2007. Der Strom aus dem Jülicher Kraftwerk soll ganz normal ins Netz eingespeist werden.

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