Strukturelles Kleben
Starker Kleber hält wie eine Schweißnaht

Geklebtes steht in dem Ruch nicht sonderlich beständig zu sein. Doch neue Verfahren bieten gegenüber herkömmlichem Schweißen, Nieten und Löten handfeste Vorteile. Nanohaftstoffe kleben und lösen sich auf Kommando – und erobern auch die Autoindustrie

BERLIN. Geklebtes steht in dem Ruch nicht sonderlich beständig zu sein. Doch neue Verfahren bieten gegenüber herkömmlichem Schweißen, Nieten und Löten handfeste Vorteile. Etwa die Fähigkeit, Kunststoffe zu kleben, die sich später auch umstandslos wieder lösen lassen. Das Bremer Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) hat zusammen mit Chemikern des Feinchemiespezialisten Degussa die magisch anmutende Methode entwickelt.

„Der Clou besteht darin, dass nicht beide Teile erwärmt werden müssen, um sie zu verbinden, sondern nur die Klebefuge. Damit stellt sich nicht das Problem, dass sich hitzeempfindliche Kunststoffe verformen“, erklärt Fraunhofer-Forscher Andreas Lühring. Erreicht wird dies durch ein hochfrequentes Magnetfeld, erzeugt von einem Generator samt Spule, die einem Tauchsieder ähnelt.

Dem Klebstoff beigemengt wird das neue sandartige Material Mag-Silica. Darin eingebettetes Eisenoxid sorgt für die magnetische Reaktion. Die von der Degussa entwickelten Nanopartikel beginnen im Magnetfeld zu schwingen, wodurch Wärme entsteht. Die reicht, um den Kleber so stark zu erhitzen, dass sekundenschnell Plastik zusammengefügt wird. „Diesen Zusatz kann man fast jedem Klebstoff beimengen, womit sich das Verfahren sehr breit anwenden lässt“, sagt Chemietechnik-Ingenieur Lühring. „Vor allem für den Automobil- und Flugzeugbau sowie sonstige technische Klebungen ist das attraktiv.“ Einzige Bedingung: Mindestens eines der zu verklebenden Teile muss elektrisch nicht leitend sein.

„Auch bei der Trennung wird das hochfrequente Magnetfeld eingesetzt, diesmal ist es aber intensiver“, erklärt Lühring. Das Kleben und Entkleben geschehe schneller als Schweißen – und das sei gerade für Reparaturen, Wartungen oder im Recycling von Vorteil. In spätestens zwei Jahren solle das Kleben von Kunststoff auf Knopfdruck marktfähig sein, erwartet Lühring.

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