Studie
Das Gedächtnis übt im Schlaf

Auch wenn wir tief schlafen, bleibt unser Gehirn hellwach: Es verarbeitet vorher wahrgenommene Eindrücke und nimmt äußere Signale wahr, wie US-Wissenschaftler jetzt in einem Experiment nachweisen konnten.
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HB WASHINGTON. Lernen im Schlaf - das wäre nicht nur ein Traum für Schüler und Studenten. Jetzt ist eine Forschergruppe um John Rudoy von der Northwestern University in Evanston (US-Staat Illinois) diesem Traum ein Stück nähergekommen. Ihre Untersuchungen erbrachten den Beleg dafür, dass im Tiefschlaf vernommene Geräusche bei der Verfestigung tagsüber gelernter Inhalte helfen. Über ihre Forschungen berichtet die Gruppe aktuell im Fachjournal „Science“.

Die Forscher zeigten zwölf Probanden auf einem Bildschirm 50 unterschiedliche Bilder, die mit charakteristischen Geräuschen unterlegt waren – beispielsweise das Geräusch einer Explosion beim Abbild von Dynamit oder Miauen beim Bild einer Katze. Die Probanden sollten sich merken, wo auf dem Bildschirm die einzelnen Bilder erschienen.

Nach 45 Minuten durfte sich jeder Proband in einen dunklen Raum zurückziehen. Schlummerte der Proband dort ein, spielten die Forscher ihm leise die Geräusche von 25 Abbildungen vor – wobei die Person nicht aufwachte und die Töne nicht bewusst wahrnahm.

Nach dem Nickerchen konnten die Personen jene Bilder besser räumlich zuordnen, deren Geräusche sie im Schlaf gehört hatten. Und sie schnitten auch besser ab als eine Kontrollgruppe, die zwischenzeitlich nur geruht, aber nicht geschlafen hatte, berichten die Forscher.

Demnach ist das Gehirn während des Schlafs offenbar hellwach und verarbeitet die vorher wahrgenommenen Eindrücke unter Berücksichtigung äußerer Signale. Dabei spielt scheinbar gerade der Tiefschlaf eine entscheidende Rolle. „Die Studie weckt den starken Verdacht, dass wir im Tiefschlaf nicht einfach den Geist abschalten“, so das Fazit John Rudoy.

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