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Studie: Der „alte Mann aus dem Tschad“ war tatsächlich ein Mensch

Rund sieben Mill. Jahre alte Fossilien aus dem Tschad stammen vom ältesten bekannten Vorfahr des Menschen.

dpa LONDON. Rund sieben Mill. Jahre alte Fossilien aus dem Tschad stammen vom ältesten bekannten Vorfahr des Menschen. Neue Untersuchungen der 2001 entdeckten Fossilien sowie weitere Knochenfunde bestätigen, dass der „alte Mann aus dem Tschad“ tatsächlich eher den frühen Menschen ähnelte als den afrikanischen Menschenaffen.

Der Sahelanthropus tchadensis lebte kurz nachdem sich der Stammbaum von Affen- und Menschenartigen getrennt hatte und ging möglicherweise sogar bereits aufrecht, berichtet ein internationales Forscherteam in zwei Aufsätzen im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 434, S. 752 und 755).

Im Jahr 2001 hatten Forscher um Michel Brunet von der französischen Universität Poitiers einen Aufsehen erregenden Fund gemacht, der erstmals Licht auf die bis dato kaum bekannte frühe Entwicklung des Menschen warf: in der Djurab-Wüste im Norden des Tschad fanden sie einen Schädel, zwei Bruchstücke von Unterkiefern und drei Zähne, die sie keiner bis dahin bekannten Art zuordnen konnten.

Sie benannten die Art Sahelanthropus tchadensis und ordneten sie in die Gruppe der Hominiden, der Menschenartigen, ein. Der Fundort liegt 2 500 Kilometer westlich vom Ostafrikanischen Rift Valley, wo mit dem sechs Mill. Jahre alten Orrorin tugenensis und dem 4,4 Mill. Jahre alten Ardipithecus ramidus die zuvor ältesten Hominidenreste gefunden wurden.

Einige Forscher bezweifelten jedoch, dass „Toumaï“, so der Spitzname des bedeutendsten Fundstücks, des Sahelanthropus- tchadensis-Schädels, tatsächlich ein früher Mensch war. Der Schädel sei zu zerstört, um daraus eindeutige Hinweise auf die Stellung im Stammbaum ableiten zu können. Um bessere Untersuchungen durchführen zu können, haben Brunet und seine Teamkollegen den Schädel nun virtuell rekonstruiert. Bestimmte anatomische Charakteristika des Schädels bestätigten demnach die frühere Zuordnung von Toumaï zu den Hominiden. Die Orientierung der Augenhöhlen und die Stellung des Hinterhauptlochs lassen zudem vermuten, dass Sahelanthropus tchadensis bereits aufrecht ging. Diese Hypothese sei allerdings anhand des Schädels allein nur schwer zu beweisen, räumen die Wissenschaftler ein.

In der gleichen Region haben die Forscher um Brunet mittlerweile weitere fossile Überreste von Sahelanthropus tchadensis gefunden und auch diese Bruchstücke von Kiefern und Zähnen scheinen die Zuordnung zu den Menschenartigen zu rechtfertigen. So hätten die Zähne zum Beispiel eine kleine Krone und lange Wurzeln wie bei anderen frühen Hominiden auch. Die Dicke des Zahnschmelzes liege zwischen der von Schimpansen und der von Australopithecinen, einer anderen Gruppe von Vormenschen wie dem Ardipithecus ramidus, die vor rund vier Mill. bis einer Million Jahren in Afrika lebten.

Die Australopithecinen waren nach neuen Erkenntnissen vor mehr als zwei Mill. Jahren möglicherweise schon in der Lage, gezielt Werkzeuge herzustellen. An manchen Orten habe es eine richtige Massenproduktion gegeben, schreibt das britische Magazin „New Scientist“ (Nr. 2 494, S. 7) in seiner Ausgabe vom kommenden Samstag unter Berufung auf eine neue Analyse. Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die frühen Menschenvorfahren ihre Steinwerkzeuge eher planlos zurechtschlugen. Die Werkzeugfunde aus dem Norden Kenias könnten allerdings auch vom Homo habilis stammen, dem direkten Vorfahren des Homo erectus.

Der Homo habilis zeigte georgischen Forschern zufolge bereits vor 1,8 Mill. Jahren mögliche Ansätze von Mitleid. Der Fund eines zahnlosen Hominidenschädels bei Dmanissi bei Tiflis veranlasst David Lordkipanidze vom georgischen Staatsmuseum und Kollegen im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 434, S. 717) zu der Spekulation, sein Besitzer sei von seinen Nächsten möglicherweise durchgefüttert worden.

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