Studie geplant
Bremer Know-how soll Mondlandung ermöglichen

Der Mond ist wieder ins Visier der Raumfahrtnationen geraten. Doch mit der Technik der Apollo-Missionen lässt sich der Erdtrabant heute nicht mehr erobern. Jetzt hat die deutsche Raumfahrtagentur DLR den Auftrag für ein zeitgemäßes Mondlandungskonzept erteilt.
  • 0

HB BREMEN. Das Bremer Raumfahrtunternehmen EADS Astrium soll Vorstudien für künftige Mondlandungen treiben. Das Unternehmen hat vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Auftrag bekommen, die Machbarkeit einer weichen und zielgenauen, automatischen Landung nachzuweisen. In den kommenden Jahren sollen Tests dazu auf der Erde stattfinden.

Im Rahmen der Studie werden in den kommenden neun Monaten die Schlüsseltechnologien für ein Testlandegerät entworfen, wie Projektleiter Peter Kyr sagte. In einer zweiten Phase soll das System gebaut werden, das etwa 2012 mit Abwürfen von Hubschraubern getestet werden könnte, eventuell in Deutschland. Zwischen 2016 und 2018 könnte eine reale Mondlandung versucht werden. Ab etwa 2020 wolle Europa sich am Betrieb einer Raumstation auf dem Mond beteiligen, so Kyr.

Zwar habe es schon viele Mondlandungen gegeben, die Technologien seien aber für künftige Anforderungen nicht ausgereift genug, sagte Kyr. Allein in Sachen Präzision werden heute ganz andere Anforderungen an ein Landesystem gestellt, als es zu Zeiten der Nasa-Landungen Anfang der 1970er-Jahre der Fall war. Die Landeeinheit müsse auf 200 Meter genau auf der Mondoberfläche aufsetzen und dabei rechtzeitig Hindernissen ausweichen, so Kyr: „Das sind Dinge, die früher nicht möglich gewesen wären.“

Das Szenario für einen europäischen Mondflug steht bereits: Demnach würde das Landefahrzeug vermutlich mit einer Ariane- oder einer Sojus-Rakete ins Weltall gebracht und in Mondnähe ausgesetzt werden. Es muss sich dann selbstständig in ein Landefenster in 1,5 Kilometern Höhe bewegen und sein Tempo von 1,65 Kilometern auf 70 Meter pro Sekunden drosseln. Die eigentliche Landung würde 70 bis 80 Sekunden dauern. In dieser Zeitspanne muss das System Hindernisse erkennen und ihnen ausweichen können.

Der Mond sei aus zwei Gründen ein lohnendes Ziel, sagte Michael Menking, bei EADS Astrium Chef des Bereichs Orbitale Systeme und Exploration. Zum einen gelte er als Geschichtsbuch des Sonnensystems und der Erde, weswegen es von hohem wissenschaftlichem Interesse sei, dort Untersuchungen anzustellen. Zum anderen sei der Erdtrabant greifbar nahe. Er könne darum als Testlabor für die Entwicklung von Technologien dienen, mit denen sich andere Himmelskörper erreichen lassen.

Kommentare zu " Studie geplant: Bremer Know-how soll Mondlandung ermöglichen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%