Studie
Geschlechtsunterschied tut der Art gut

Ihre Unterschiede machen sie stark: Forscher der Universität Harvard fanden heraus, dass die körperliche Verschiedenheit von Männchen und Weibchen den Lebensraum von Tieren erweitert. Der starke Unterschied ermöglicht ihnen, viel größere ökologische Nischen einzunehmen.

fk DÜSSELDORF. Eine in der Zeitschrift „Nature“ von Biologen aus Harvard und anderen amerikanischen Universitäten veröffentlichte Untersuchung legt nahe, dass der Dimorphismus, also Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die evolutionäre Ausbreitung der diversen Tierarten stärker angetrieben hat als bisher angenommen.

Evolutionsbiologen sehen bislang vor allem zwei Ursachen für den Geschlechter-Dimorphismus. Sexuelle Auslese, also der Wettbewerb unter Geschlechtsgenossen um Paarungspartner, und reproduktive Anforderungen, also etwa die Brüste von Frauen. „Eine andere Erklärung ist, dass Geschlechtsunterschiede auftreten, damit die Geschlechter unterschiedliche Ressourcen nutzen können, ohne miteinander zu konkurrieren“, sagt Jonathan Losos von der Harvard-Universität.

Die für die Studie betrachtete Arten-Familie der Anolis-Echsen kommt auf vielen karibischen Inseln vor. Die verschiedenen Arten entwickelten sich unabhängig auf Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico. Sie sind ein klassischer Fall „adaptiver Radiation“, also der Auffächerung von Arten: Auf jeder Insel entwickelten die jeweiligen Arten Eigenschaften, die an die lokale Umwelt angepasst sind. Echsen in offenen Lebensräumen zum Beispiel entwickelten lange Beine, die sie zu schnellen Läufern machen. Arten in Wäldern haben kurze Beine, die das Klettern erleichtern.

Die Arten sind auch verschieden im Grad der Geschlechterunterschiede. Bei manchen sind beide gleich groß, bei anderen ist das Männchen dreimal so schwer wie das Weibchen. Geschlechtsunterschiede in der Ernährung, im Verhalten und in der Nutzung des Lebensraumes sind weit verbreitet.

„Wir stellten fest, dass jede bekannte adaptive Radiation geschlechtlichen Dimorphismus aufweist – zum Beispiel Galapagos-Finken –, aber diese Radiationen wurden bislang nur an einem Geschlecht, meist den Männchen, untersucht“, sagt Marguerite Butler von der Universität Hawaii. Es sei aber angesichts der Unterschiede nötig, beide Geschlechter zu untersuchen.

Die Forscher entwarfen das Modell eines von 15 Echsen-Arten bewohnten „Morpho-Raumes“ – eine Messeinrichtung für ökologische Nischen, die die Masse und die Länge der Extremitäten und des Körpers berücksichtigt. Sie fanden heraus, dass nur 14 Prozent der Nischen von Männchen und Weibchen derselben Art besetzt waren, verglichen mit 45 Prozent, die nur von Männchen, und 36 Prozent, die nur von Weibchen besetzt waren.

Karibische Anolis-Echsen besetzen also gemeinsam 59 Prozent mehr Morpho-Raum als Weibchen allein beziehungsweise 88 Prozent mehr als Männchen allein. „Eindeutig vergrößert der geschlechtliche Dimorphismus die ökologische Nische einer Art“, folgert Butler.

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