Studie: IT-Hersteller vernachlässigen oft Sozialstandards
Schattenseiten des Digital Living

Die unabhängige Rating-Agentur Oekom Research aus München warf anlässlich der Cebit ein Schlaglicht auf die Produktionsbedingungen der Branche. Der Großteil der High-Tech-Produkte, mit dem die Hersteller auf der weltgrößten Technologiemesse glänzen, werde in Niedriglohnländern wie China produziert, die wegen ihrer miserablen Arbeits- und Menschenrechtslage immer wieder Schlagzeilen machen. Das sich rasant entwickelnde „digital living“ in Europa trage das Risiko, Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen zu fördern.

HB BERLIN. Oekom Reseach bewertete 59 Unternehmen der Informationstechnologiebranche. Am besten schneidet Ricoh im Nachhaltigkeitsrating ab, gefolgt von STMicroelectronics, Motorola, Advanced Micro Devices (AMD), Sharp, Toshiba, Canon und Hewlett-Packard ab. Siemens erreichte nur den Branchendurchschnitt und Rang 28.

Man werde die Gründe analysieren, hießt es bei Siemens auf Anfrage. Schlecht stehen Computerhersteller Sun Microsystems und Kyocera da. Sun Microsystems oder der japanische Hitachi Konzern zeigten wenig Verantwortung gegenüber den Menschen, die an der Herstellung ihrer Produkte beteiligt seien, kritisiert Rüter. Die meisten IT-Hersteller hätten zwar die Probleme erkannt und soziale und ökologische Mindeststandards formuliert, sagt Rüter. „Sie stehen aber oft nur auf dem Papier - für den Einkauf spielen sie kaum eine Rolle und die Unternehmen kontrollieren nicht, ob die Zulieferern sie einhalten“, bemängelt sie. Der Branche bleibe viel zu tun, bis die Verbraucher ihr digitales Leben guten Gewissens genießen könnten.

Positiv sei die Kooperation der US-Firmen Hewlett-Packard, Dell und IBM, die mit Zulieferern den ‚Common Electronic Industry Code of Conduct’ entwickelten. Sie verpflichten sich, soziale und ökologische Mindeststandards in ihren eigenen Betrieben und in denen ihrer Zulieferer einzuhalten. Dazu zählen die Einhaltung von Mindestlöhnen, maximaler Arbeitszeitung und die Einführung von Umweltmanagementsystemen. Der japanische Hersteller von Unterhaltungselektronik Matsushita Electric Industrial mit Panasonic als bekanntester Marke setzt sich für ein Mitspracherecht der Angestellten auch in Ländern ein, in denen der Gesetzesrahmen nur eingeschränkt eine gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter zulässt.

Die Umweltleistungen der Branche seien besser als die Sozialleistungen, weil es - vor allem in Europa - mehr gesetzliche Vorschriften gebe und der Staat deren Einhaltung leichter kontrollieren könne, berichtet Rüter. „Jedoch begegnet sie der Flut an Altgeräten kaum mit Rücknahme- und Recyclingsystemen, obwohl die nun in Europa Pflicht sind.“ Das ist problematisch, weil zahlreiche der enthaltenen Stoffe Gesundheit, Umwelt oder Klima schädigen, wie Wissenschaftler seit Jahren warnen.

Daher gilt seit diesem Jahr eine EU-Richtlinie, die die Rücknahme vorschreibt. Verbraucher in Deutschland können ihren Elektroschrott ab 24. März kostenfrei abgeben. Über 100 Millionen Mobiltelefone werden jährlich europaweit ausgemustert und landen oft im Hausmüll, kritisiert die Umweltorganisation WWF.

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