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Studie: Placebo-Wirkung hängt auch von Arzt und Geschlecht ab

Die Wirkung von Placebos wird nach Medizinerauskunft vom Geschlecht der Ärzte und Patienten mitbestimmt.

dpa STUTTGART/HAMBURG. Die Wirkung von Placebos wird nach Medizinerauskunft vom Geschlecht der Ärzte und Patienten mitbestimmt. So sprächen weibliche Patienten tendenziell häufiger auf die wirkstofflosen Präparate an als männliche, berichtete ein Team um den Psychotherapeuten Professor Paul Enck von der Universität Tübingen.

Die Patienten scheinen zudem mehr Vertrauen zu Ärztinnen zu haben als zu Ärzten. Nach Encks Angaben ist die Placebo-Wirkung beim Reizdarm-Syndrom besonders unterschiedlich: „In einigen Studien sprachen 84 Prozent der Patienten auf ein Placebo an, in anderen waren es nur drei Prozent.“ Sein Team wertete eine Studie bei 120 Patienten mit Reizdarm-Syndrom genauer aus und stellt die Analyse der Placebowirkung in der aktuellen Ausgabe der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ (Bd. 130, S. 1934, Stuttgart) vor.

In der Studie waren einige Patienten von einer Ärztin mit einer Zusatzausbildung in Psychotherapie behandelt worden. Verteilte sie die Placebos, besserte sich bei jedem dritten Patienten der Zustand. Kamen die Tabletten hingegen von ihren männlichen Kollegen ohne Zusatzausbildung, wirkten sie nur bei jedem vierten bis fünften Patienten. Ähnliche Erfahrungen seien in Placebo-Studien zur Akupunktur gemacht worden, berichtete Enck. Auch da waren die Patienten häufiger überzeugt, dass sie eine echte Akupunktur erhalten hatten, wenn eine Therapeutin die Nadeln setzte.

Bei der Studie zum Reizdarm-Syndrom sprachen zudem Frauen häufiger auf Placebos an als Männer: Bei jeder zweiten Patientin besserte sich das Syndrom, aber nur bei etwa jedem vierten Mann. Der Zusammenhang müsse jedoch durch weitere Studien gesichert werden, schreibt Enck. Er vermutet, dass auch die Qualifikation der Ärzte sowie die Dauer und Anzahl der Arztkontakte die Wirkung beeinflussen. Sogar der kulturelle Hintergrund, die Nationalität und der Ort der Studie könnten sich darauf auswirken. Placebos sind Scheinmedikamente ohne Wirkstoff, die bei manchen Erkrankungen aber fast so gut helfen wie die echten Mittel.

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