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Studiengebühren-Debatte schreckt Studienanfänger ab

Der seit Jahren erstmals wieder zu verzeichnende Rückgang der Studienanfänger-Zahlen in Deutschland ist nach einer Analyse der Kultusministerkonferenz (KMK) auch auf die Studiengebühren-Debatte zurückzuführen.

dpa BERLIN. Der seit Jahren erstmals wieder zu verzeichnende Rückgang der Studienanfänger-Zahlen in Deutschland ist nach einer Analyse der Kultusministerkonferenz (KMK) auch auf die Studiengebühren-Debatte zurückzuführen.

Die Pläne einiger Länder zur Einführung allgemeiner Studiengebühren wie auch die Erhebung von Gebühren für Langzeit-Studenten hätten einen „Abschreckungseffekt“ ausgelöst, heißt es in dem internen KMK-Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin vorliegt.

Entgegen den Prognosen hatten zum Wintersemester 2004/2 005 überraschend 5,5 Prozent junge Menschen weniger ein Studium aufgenommen als noch ein Jahr zuvor. Die Studienanfängerzahl ging damit von 380 000 auf 360 000 zurück. Die größten Rückgänge verzeichneten nach dem KMK-Bericht die Länder Niedersachsen und Berlin mit jeweils rund zwölf Prozent, aber auch das Saarland mit zehn Prozent. In Baden-Württemberg schrieben sich 5,9 Prozent weniger Studienanfänger ein, in Rheinland-Pfalz hingegen nur 1,2 Prozent weniger.

Als weitere mögliche Ursachen für den Anfänger-Rückgang nennt das KMK-Papier unter anderem die „erhebliche Ausweitung“ des Numerus clausus (NC) an den Hochschulen sowie die Schließung von Fakultäten und ganzer Studiengänge infolge von Sparmaßnahmen an den Hochschulen. Auch das Hochschul-Informations-System (HIS) hatte unlängst bei einer Abiturientenbefragung einen leichten Rückgang der Studienneigung festgestellt. Auch dort waren die Studiengebühren-Debatte sowie die Angst vor hoher Verschuldung als Gründe genannt worden.

Die Studienanfänger-Zahlen waren seit der Bafög-Reform im Jahr 2001 von 310 000 auf knapp 380 000 (2003) angestiegen. Gleichwohl liegt Deutschland mit seinen Studentenzahlen noch immer weit hinter anderen vergleichbaren Industrienationen. Während in der Bundesrepublik inzwischen etwa 38 Prozent eines Jahrgangs ein Hochschulstudium aufnehmen, sind dies im Schnitt der 30 wichtigsten Industriestaaten inzwischen mehr als 50 Prozent, in Schweden, Finnland und Polen sogar mehr als 70 Prozent.

Dazu wird die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Oecd) heute (Dienstag) in Berlin ihren neuen weltweiten Bildungsbericht veröffentlichen. Die Studie gibt Auskunft über den Bildungsstand der Bevölkerung in den Industrienationen. Schwerpunkte des diesjährigen Berichts sind unter anderem: Bildung und Chancen am Arbeitsmarkt, lebensbegleitendes Lernen und Weiterbildung am Arbeitsplatz, Bildungsinvestitionen sowie Arbeitsbedingungen der Lehrer.

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