Suche nach wirksamen Gegenmitteln
Neuer Vogelgrippe-Fall schreckt Sachsen auf

Die Monate währende Ruhe ist vorbei – am Donnerstag wurde in Deutschland wieder ein Vogelgrippe-Fall bei einem Wildvogel nachgewiesen. Mit großem Aufwand läuft daher die Suche nach wirksamen Mitteln zur Bekämpfung der Seuche.

KÖLN. Ein toter Schwan aus einem Teich im Dresdener Zoo sei positiv auf das aggressive Virus H5N1 getestet worden, hat die sächsische Landesregierung mitgeteilt. Damit bestätigt sich das Wort der Experten, wonach es keine Entwarnung gebe. „Das Risiko ist weiterhin hoch“, so das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Erst vor kurzem seien in Rumänien, Dänemark, Ungarn und Spanien neue Ausbrüche gemeldet worden. Und mit dem bevorstehenden Herbstzug der Vögel erhöhe sich die Gefahr einer Virusverschleppung nach Deutschland.

Mit großem Aufwand läuft derzeit die Suche nach wirksamen Mitteln zur Bekämpfung der Seuche. Einer der vielversprechendsten Ansätze: Ein Forscherteam des FLI hat einen genannten Markerimpfstoff gegen den Vogelgrippe-Erreger H5N1 entwickelt, mit dem massenhafte Notschlachtungen verhindert werden können. Der neue Impfstoff schützt das Geflügel vor H5N1 und ermöglichen gleichzeitig durch ihre genetische „Markierung“ die Unterscheidung zwischen erkrankten und geimpften Tieren. Belastungstests im Labor haben die Impfstoffe bereits bestanden, im kommenden Jahr werden sie unter realen Bedingungen an Hühnern getestet.

Eine flächendeckende Vorsorge durch Impfen ist für viele Experten das derzeit beste Mittel im Kampf gegen die Vogelgrippe. Die herkömmlichen Impfstoffe – wie sie die Niederlande bereits verwenden – haben jedoch gravierende Nachteile. Den Tieren wird dabei der H5N1-Virus in abgetöteter Form verabreicht, das Immunsystem erkennt den Erreger und startet eine Abwehrreaktion. Diese Abwehrreaktion lässt sich jedoch selbst mit Bluttests kaum vom normalen Krankheitsbild unterscheiden. Die Gefahr: Wenn die Vogelgrippe vor der Impfung in einigen Tieren geschlummert hat, ist nicht mehr festzustellen, ob die Tiere geimpft oder doch krank sind – der Virus könnte sich unbemerkt auf andere Bestände ausbreiten.

Genetisch markierte Impfstoffe können diese Risiken ausschließen. Hierbei ist der Impfstoff eine veränderte Version des Virus, er lässt sich mit Bluttests klar von den Vogelgrippe-Erregern unterscheiden. Das fünfköpfige Forscherteam des Friedrich-Loeffler-Instituts hat zwei Markerimpfstoffe entwickelt, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten: Einem Trägervirus – bei einem der Prototypen ist es ein Herpes-Erreger – werden Erbinformationen des Geflügelpestvirus eingepflanzt.

Der Herpes-Erreger transportiert die Vogelgrippe-Informationen in den Körper der Tiere. Daraufhin erkennt der Tierorganismus den Herpes und produziert dank der genetischen Veränderung auch Antigene gegen H5N1. Diese Antigene unterscheiden sich von denen, die ein infiziertes Tier normalerweise gegen die Vogelgrippe produziert. „Daran können wir schnell sehen, ob das Tier krank oder geimpft ist. Die geimpften Tiere weisen veränderte Antikörper auf“, sagt Elke Reinking, Sprecherin des FLI.

Ein weiterer Vorteil des neuen Impfstoffes ist die Verabreichungsform. Mit den Markerimpfstoffen des FLI ist eine rasche Impfung möglich – die Stoffe werden per Spray oder über das Trinkwasser verabreicht und verbreiten sich über eine Tröpfcheninfektion. Beim konventionellen Verfahren müsste jedes Tier zwei Mal pro Jahr per Spritze geimpft werden – ein zu aufwendiges Verfahren für die Geflügelwirtschaft mit ihren großen Beständen. Das Interesse der Pharmaindustrie an den beiden Entwicklungen ist groß. „Genetisch veränderte Impfstoffe sind sehr wertvoll. Bei bestimmten Seuchen ermöglichen sie, die Erreger ohne Notschlachtungen komplett abzutöten“, sagt Martin Schneidereit, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Tiergesundheit (BfT). Vor allem in strukturschwachen Seuchenregionen Südostasiens, in denen sich die Seuche unkontrolliert ausbreite, habe das Impfverfahren großes Potenzial, so Schneidereit.

Das weltweit tätige Unternehmen Intervet hat bereits einen Prototyp des FLI in die eigene Entwicklungsarbeit übernommen. Auch das Fraunhofer Institut steht mit Pharmaunternehmen in Verhandlungen. Bis die Impfstoffe auf den Markt kommen, könnten auf Grund der strengen Zulassungsbestimmungen allerdings noch bis zu fünf Jahre vergehen.

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