Synthetische Kraftstoffe eröffnen zusätzliche Potenziale bei der Entwicklung neuer Motorenkonzepte
VW kombiniert Otto- und Dieselmotor

Synthetische Kraftstoffe sollen künftig die Umwelt schonen. Ziel ist es, die Nutzung fossiler Energieressourcen durch den Einsatz regenerativ erzeugter Kraftstoffe zu ersetzen. Diese Kraftstoffe werden nach Maß gefertigt. Vorteil: Die Produzenten können im Labor die Eigenschaften von synthetischem Sprit bis ins Detail beeinflussen.

DÜSSELDORF. Davon profitieren auch die Entwickler in den Automobilkonzernen. Sie sind dadurch in der Lage, Motoren mit neuartigen Brennverfahren zu entwickeln und die Emissionen deutlich zu reduzieren. Ein solch neuartiger Motor reift gerade in den Forschungslabors von Volkswagen heran.

Der neue Motor soll die Grenzen zwischen Benzin- und Dieseltechnologie sprengen. Die Entwickler haben dazu beide Brennverfahren kombiniert. „Damit gelingt es uns, die Vorzüge beider Motorenkonzepte zu vereinen“, sagt Wolfgang Steiger, Leiter der Konzernforschung Antriebe in Wolfsburg. „Wir erhalten Aggregate, die so wenig verbrauchen und wenig Abgase verursachen wie ein Dieselmotor, die aber gleichzeitig einen starken Anzug haben wie ein Ottomotor.“

Mit der Einführung der Direkteinspritzung bei Ottomotoren haben sich die beiden Antriebskonzepte ohnehin immer weiter angenähert. „Es ist daher nur konsequent, nun über ein kombiniertes Brennverfahren nachzudenken“, sagt Steiger. Erste Modelle laufen bereits auf den Prüfständen. Eine Kamera im Zylinder beobachtet genau den Verbrennungsablauf.

Bis die Technologie auf die Straße kommt – mit der Serienreife rechnet VW nicht vor 2010 – haben die Entwickler noch einige Hürden zu nehmen. „Für die Motoren müssen wir völlig neue Regelkonzepte und Sensoren entwickeln“, sagt Steiger. Ein wesentliche Herausforderung bestehe darin, „die neuen Anforderungen zu wettbewerbsfähigen Preisen zu erfüllen.“

Bei der Entwicklung der neuen Treibstoffe arbeiten die Automobilhersteller und Mineralölkonzerne Hand in Hand. „Bei der Herstellung der neuen Kraftstoffe können wir nun die Anforderungen der Autobauer in weit höherem Ausmaße als bisher berücksichtigen“, sagt Matthias von Glischinski-Kurc, Sprecher von Shell Deutschland. Der Mineralölkonzern stellt seinen Designerkraftstoff mit einem so genannten „Gas to Liquids-“Verfahren her. In einem mehrstufigen Prozess entsteht aus Erdgas ein umweltfreundlicher Sprit, klar wie Wasser und frei von Aromaten und Schwefelanteilen. Die Royal Dutch/Shell Gruppe hat bereits 1993 in Malaysia die weltweit erste kommerzielle Produktionsstätte in Betrieb genommen. In Katar entsteht gerade eine neue Anlage, die ab 2010 täglich 140 000 Barrel produzieren soll.

Industrielle Pilotanlage in Sachsen

So weit sind synthetische Kraftstoffe auf Basis von Biomasse noch nicht. Seit Oktober 2003 läuft im sächsischen Freiberg beim Energie-Unternehmen Choren Industries eine industrielle Pilotanlage. In einem Projekt mit Daimler-Chrysler und Volkswagen ist zum Beispiel der Biokraftstoff „Sun-Diesel“ entstanden. Energieträger sind hier unter anderem Pflanzen, Restholz und Biomüll. „Technisch ist es überhaupt kein Problem, bereits heutige Autos mit einer Mischung aus Sun-Diesel und herkömmlichem Diesel fahren zu lassen“, sagt eine Sprecherin von Daimler-Chrysler. Vorteil gegenüber Erdgas: Die biosynthetischen Kraftstoffe erzeugen kein zusätzliches Kohlendioxid (CO2), da während der Verbrennung

nur soviel Gas frei wird, wie die Pflanzen während ihres Wachstums aus der Luft aufgenommen haben.

Wegen des nahtlosen Übergangs räumen viele Experten dem neuen Sprit gute Marktchancen ein. Synthetische Kraftstoffe – sowohl aus Biomasse als auch aus Erdgas – können in beliebigen Menge herkömmlichem Treibstoff beigemischt und über die vorhandenen Zapfsäulen verteilt werden. Je höher der Anteil, desto geringer sind die Emissionen. In Thailand gibt es zum Beispiel seit Januar 2002 eine fertige Mischung mit synthetischem Kraftstoff aus Erdgas an der Tanksäule. Ähnlich könnte es in einigen Jahren mit Biokraftstoffen sein.

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