Tabakkonsum
Rauchen ohne Reue?

Zigarettenrauch enthält eine Mischung aus rund 150 Giftstoffen, die für Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Schlaganfälle verantwortlich gemacht werden. Die Zigarettenindustrie will nun weniger toxische Produkte entwickeln. Neue Tabaksorten und verbesserte Filter sollen die Gesundheitsgefahren beim Rauchen reduzieren.
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LONDON. Werden passionierte Raucher jemals mit gutem Gewissen zur Zigarette greifen können? Große Tabakkonzerne wie British American Tobacco (BAT) wollen genau das herausfinden, denn ein großer Teil der Hoffnungen auf künftiges Wachstum der umstrittenen Branche beruht auf neuen Produkten, die beim Genuss deutlich weniger toxische Stoffe freisetzen als herkömmliche Glimmstängel.

Die Aufgabe ist komplex, denn Zigarettenrauch enthält eine Mischung aus 150 Giftstoffen, die für Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Schlaganfälle verantwortlich gemacht werden. Obwohl die Gefahren des blauen Dunstes mittlerweile jedem bekannt sein dürften, steigt die Zahl der weltweiten Raucher weiter. Allein in Großbritannien greift ein Drittel aller 20 bis 24jährigen zum Glimmstängel. In Amerika werden jährlich Zigaretten und andere Tabakprodukte für rund 90 Mrd. Dollar verkauf, und in Russland werden heute doppelt so viele Zigaretten geraucht wie 1991.

Selbst die Finanzkrise konnte den Tabakriesen bislang nicht all zu viel anhaben, weil Raucher trotz der schlechten Zeiten nicht von ihrer Sucht lassen können. Das heißt aber noch nicht, dass die Zigarettenbranche einer sorgenfreien Zukunft entgegen sieht. Im Sommer hat US-Präsident Barak Obama ein Gesetz unterzeichnet, das einen Frontalangriff auf die Tabakindustrie darstellt. Das Gesetz unterwirft die Hersteller einer strengeren Regulierung durch die staatliche Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA).

Die FDA kann nun den Nikotingehalt in Zigaretten regulieren und den Einsatz von Chemikalien verbieten. Bezeichnungen wie "light" oder "mild" sollen ganz verboten werden. Zudem müssen auf Zigarettenschachteln größere Warnhinweise zu den gesundheitsschädigenden Wirkungen des Rauchens gedruckt werden.

Für die Konzerne ist das nichts Neues. Sie kämpfen seit Jahren damit, dass ihnen der Gesetzgeber Steine in den Weg legt. Ein Land nach dem anderen hat strikte Rauchverbote in Gastronomie und öffentlichen Gebäuden eingeführt. Daneben sorgen steigende Tabaksteuern dafür, dass Rauchen zum teuren Vergnügen wird.

Die Gegenstrategie der Konzerne: Sie wollen den Gesetzgeber mit Produkten besänftigen, die weniger gesundheitsschädlich sind. Da ein Großteil der Giftstoffe beim Verbrennen des Tabaks entsteht, versucht die Branche beispielsweise das Geschäft mit Kautabak auszubauen. So hat Altria Anfang 2008 mehr als zehn Mrd. Dollar für den US-Kautabakspezialisten UST Inc. ausgegeben.

Die Nummer zwei der Branche, BAT setzt auf Forschung und Entwicklung und investiert jährlich 120 Mio. Pfund in Produkte, die weniger Gesundheitsschäden verursachen als klassische Glimmstengel. Die Briten haben bereits drei Prototypen entwickelt. In einer Reihe von klinischen Tests untersucht der Konzern nun, ob die neuen Zigaretten, die mit modifiziertem Filter und neuartigen Tabakmischungen hergestellt werden, tatsächlich die Gesundheitsrisiken des blauen Dunstes erheblich verringern können.

Zunächst haben die BAT-Forscher die Schädlichkeit ihrer Prototypen - wie in der Branche üblich - in Rauchmaschinen getestet. Die bei den neuen Zigaretten gemessene Konzentration vieler Giftstoffe sei um 50 bis 90 Prozent niedriger ausgefallen als bei heute handelsüblichen Produkten, sagte BAT-Forschungschef Chris Proctor.

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