"Tausendsassa der Physik"
Porträt: Theodor W. Hänsch

Der deutsche Theodor W. Hänsch wurde in diesem Jahr mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Der Physiker gilt unter seinen Kollegen als Tausendsassa seines Faches.

HB MÜNCHEN/GARCHING. In seiner mehr als 40-jährigen Laufbahn befasste sich der Wissenschaftler unter anderem mit ultrakalten Atomwolken, der Erforschung von Antiwasserstoff und mit innovativen Laserexperimenten - damit gehört er weltweit zu den Spitzenforschern auf seinem Gebiet.

Der Nobelpreis muss für Hänsch wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk sein: Rund vier Wochen vor seinem 64. Geburtstag wurde ihm am Dienstag die höchste wissenschaftliche Ehrung für seine Beiträge zur Entwicklung laserbasierter Präzisionsspektroskopie zugesprochen. Weitere Preisträger sind die US-Forscher Roy Glauber und John Hall.

Die Auszeichnung zeige, „dass man auch in Deutschland sehr gut wissenschaftlich arbeiten kann“, sagte er inmitten seiner Studenten und wissenschaftlichen Kollegen der Münchner Universität. Noch weiß der ambitionierte Physiker nicht, was er mit dem Geld machen will. Der Nobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Mill. € dotiert.

„Unsere Entdeckungen werden wohl vor allem bei der Telekommunikation und bei der Navigation die weitestgehenden praktischen Auswirkungen haben“, sagte Hänsch. Mit seiner Firma Menlo Systems will er im gewaltigen Markt der optischen Nachrichtentechnik mitmischen.

Hänsch wurde am 30. Oktober 1941 in Heidelberg geboren und promovierte dort 1969. Anschließend ging er in die USA an die Stanford Universität in Kalifornien, wo er 1975 Full Professor wurde. Immer wieder hat der Forscher im Ausland als Gastprofessor unterrichtet, unter anderem in Frankreich, Japan, in den USA und in Italien. Seit 1986 lehrt er an der Ludwig-Maximilians-Universität- München (LMU). Außerdem ist der Wissenschaftler Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching.

Frau und Kinder hat der Forscher nicht. „Er hat die Physik zur Familie“, sagte sein Physikerkollege an der Universität München, Eberhard Riedle. Hänsch sei auch nicht an Geld oder Machtpolitik interessiert, sondern nur an seiner Forschung. „Hänsch ist nicht unkommunikativ, aber neben der Physik ist bei ihm wenig Platz für andere Gesprächsthemen“, meint Riedle. Ansonsten sei Hänsch ein Ästhet. „Wir gönnen ihm alle von Herzen den Nobelpreis.“

Prof. Dr. rer. nat. Theodor Hänsch wurde in seiner Karriere mit Preisen überhäuft: Erst in diesem Jahr bekam er den Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik. Außerdem erhielt er unter anderem die Auszeichnung California Scientist of the Year (1973), den Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1988) und die Stern Gerlach Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2000). Zudem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Als letzter Deutscher hatte Wolfgang Ketterle im Jahr 2001 den Physik-Nobelpreis erhalten. Er wurde für die Erschaffung des Bose- Einstein-Kondensats ausgezeichnet, dem fünften Erscheinungsform der Materie neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma.

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