Technik gegen Terror
Das große Geschäfte mit der Sicherheit

Angst schafft Absatz: Die zunehmende Furcht vor Anschlägen, durch die jüngsten Ereignisse in London erneut beflügelt, lässt auch die Forderung nach besseren Sicherheitsmäßnahmen lauter werden. Anbieter wie Thales und EADS schaffen es, durch innovative Techniken davon zu profitieren.

MÜNCHEN. Abhörsichere Funksysteme, kameraüberwachte Bahnhöfe, biometrische Erkennungssysteme: Mit jedem Anschlag oder versuchten Attentat wächst das Geschäftspotenzial der Anbieter vernetzter Sicherheitstechnik. Was früher ein Flickenteppich von Einzellösungen war, ist heute vor allem das umkämpfte Geschäftsfeld einer ganzen Industrie.

Auf 35 bis 40 Mrd. Euro schätzen die beiden großen europäischen Anbieter Thales und EADS den globalen Markt, der allerdings keineswegs ein offener ist. Die Hälfte des Volumens entfällt aber auf das US-Geschäft, in dem die Europäer allenfalls über Kooperationen einen Fuß in die Tür bekommen. Dennoch sind die Hoffnungen groß.

„Das ist ein wichtiges, zentrales Zukunftsfeld für uns“, heißt es bei dem deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Das Unternehmen will den Bereich Verteidigungs- und Sicherheitstechnik ausbauen – schon allein um das zyklische Geschäft der Flugzeugtochter Airbus auszugleichen, die derzeit für zwei Drittel der Konzernerlöse steht.

Auch Wettbewerber Thales setzt sich hohe Ziele: „Wir wollen Champion für funktionskritische Systeme sein“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Beide Konzerne erwarten lukrative Aufträge. Zunächst geht es um sichere Kommunikation. So werden die englischen Feuerwehren und Rettungsdienste spätestens zu den Olympischen Spielen in London 2012 mit digitalen Funksystemen der EADS arbeiten. 200 Millionen Pfund investieren die Briten, um die Dienste in Krisen- und Katastrophensituationen rasch dirigieren zu können. Auch Deutschland setzt massiv auf den Ausbau schneller und sicherer Funk-und Datenverbindungen. Vier Mrd. Euro kostet das digitale Behördennetzwerk, das 2010 seinen Dienst aufnehmen soll. Polizei, Bundespolizei, Rettungsdienste und Katastrophenschutz sollen dann ohne Umwege abhörsicher miteinander vernetzt sein. Neben der EADS liefert vor allem Siemens die Technik.

Noch lukrativer sind „Gesamtarchitekturen“, die ganze Staaten vor Angriffen schützen sollen. Klassische militärische Bedrohungen sind dabei gleichwertige Szenarien wie terroristische Attacken. Ziel ist es, Informationen zu sammeln und gleichzeitig so zu filtern, dass die Sicherheitsbehörden ein eindeutiges Lagebild erhalten. Die besten Kunden sitzen derzeit im Nahen Osten. So plant Thales für rund sieben Mrd. Euro den Bau einer „elektronischen Maginot-Linie“ in Saudi-Arabien. Der aus dem Zweiten Weltkrieg entlehnte Begriff einer befestigten Bunkerkette entlang der französischen Ostgrenze erhält im digitalen Zeitalter eine neue Bedeutung: Ein Netzwerk aus Radaranlagen und Horchposten wird künftig jede Bewegung entlang den Küsten und Wüstengrenzen des Königreiches lückenlos dokumentieren. So soll auch das Einsickern kleinster terroristischer Kommandogruppen verhindert werden. EADS erhielt kürzlich den Auftrag für ein ähnliches System im Nachbaremirat Katar.

In Europa sind beide Unternehmen in dem Projekt „integriertes Grenzsicherungssystem Rumänien“ aktiv. In dem neuen EU-Mitglied richtet die Industrie ein komplett integriertes Grenzsicherungssystem ein, das mit allen staatlichen Stellen die Einreise überwacht. Was in Deutschland kontrovers diskutiert wird, ist hier längst Realität: Innere und äußere Sicherheit gehen ineinander über.

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