Techologische Revolution
Roboter für den Krieg des 21. Jahrhunderts

Während wir davon träumen, dass Roboter in der Zukunft ferne Planeten erforschen oder uns im Haushalt zur Hand gehen, ist aus Science-Fiction klammheimlich Science-Reality geworden. Denn die Roboter sind bereits da, sie haben einen anderen Bereich erobert: das Schlachtfeld.
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BERLIN. Kampfroboter sind kein Science-Fiction mehr, sie sind im Einsatz. Doch das menschliche Verständnis hinkt dieser Veränderung des Krieges hinterher. „Das ist eine revolutionäre Technologie - eine Technologie, die die Spielregeln neu definiert“, sagt Peter Singer. Er ist Leiter der 21st Century Defense Initiative beim Thinktank Brookings Institution in der US-Hauptstadt Washington. Im Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama war er Koordinator für Verteidigungspolitik.

Für sein Buch „Wired For War“, in dem er diese robotische Revolution beschreibt, hat Singer vier Jahre recherchiert und nach eigenen Angaben „mit ziemlich jedem, der mit Robotern und Krieg zu tun hat“, gesprochen: Mit Wissenschaftlern, die solche Systeme entwickeln, mit Offizieren in aller Welt, die diese Systeme haben wollen, mit US-Soldaten, die sie einsetzen, und mit Gegnern, die Ziel dieser Systeme sind. Ratlose Science-Fiction-Autoren hat er interviewt, die von der Entwicklung überrollt werden, und Beobachter wie Human Rights Watch, die ihrerseits bei Science-Fiction Anhaltspunkte suchen.

Die technischen Veränderungen, die sich vor unseren Augen vollziehen, werden in einem Menschenalter die Welt komplett verändern, sagt Singer und vergleicht die Auswirkungen mit der Erfindung des Buchdrucks: „Er hat die Alphabetisierung der Massen ermöglicht, die Vorherrschaft der katholischen Kirche beendet und letztlich Reformation eingeleitet - aber er hat auch zum Dreißigjährigen Krieg beigetragen.“

Neuerungen hat es in der Militärtechnik immer wieder gegeben: Langbogen und Schießpulver vergrößerten die Reichweite, Maschinengewehre erhöhten die Schussfolge, die Atombombe brachte nie gekannte Sprengkraft. Doch diese Neuerungen haben laut Singer nur verändert, wie Krieg geführt wird. Die Roboter aber veränderten, wer Krieg führe. „5 000 Jahre lang hatten Menschen das Monopol, Kriege zu führen.“ Dieses Monopol sei gefallen. Der Krieg im 21. Jahrhundert wird von Maschinen bestimmt.

Schon jetzt werden in allen Bereichen und Waffengattungen Kampfmaschinen eingesetzt. Dazu gehören Bodensysteme wie der Packbot des Herstellers iRobot, der Sprengsätze entschärft, oder das Special Weapons Observation Reconnaissance Detection System (SWORDS), ein mit einem Maschinengewehr bestückter Roboter, den iRobot-Konkurrent Foster Miller entwickelt hat. In der Luft setzt die US-Armee unbemannte Flugzeuge (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) wie Predator oder Reaper, auch Predator B genannt, ein, die mit Hellfire-Raketen bewaffnet für Luftangriffe eingesetzt werden. Die größte dieser Drohnen ist Global Hawk, ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das so groß ist wie ein kleines Passagierflugzeug. Global Hawk startet, fliegt zu tausende Kilometer entfernten Einsatzorten, kreist dort 24 Stunden, fliegt zurück zum Stützpunkt und landet dort - alles selbstständig.

Zehntausende Kampfroboter warten in den Arsenalen von über 40 Armeen auf der ganzen Welt auf ihren Einsatz. Allein das US-Militär besitzt über 12 000 Roboterfahrzeuge und mehr als 7 000 Drohnen. Es setzt sie seit einigen Jahren im Irak und in Afghanistan ein. Doch nicht nur die USA und ihre Verbündeten, darunter auch Deutschland, haben sie. Auch in Russland und China, im Iran und in Pakistan sind sie zu finden.

Schon befinden wir uns mitten in einem neuen Rüstungswettlauf, der aber nach anderen Regeln geführt wird als im Kalten Krieg. Denn, so Singer, nicht mehr nur Staaten können sich die neuesten Waffensysteme leisten. „Diese Technologien sind nicht wie Flugzeugträger oder Atombomben, für deren Bau man riesige Industrieanlagen braucht. Vieles ist handelsübliche Technik. Einige kann man sogar selbst bauen, wie etwa die Drohne Raven. Das ist das kleinste unbemannte Flugsystem, das die USA in Afghanistan und im Irak einsetzen. Für etwa 1 000 US-Dollar kann man diese Drohne nachbauen.“ Bauanleitungen dafür fänden sich im Internet, auf Seiten wie DIY Drones. Deshalb setzten Akteure, die früher nie an komplexe Waffensysteme gekommen sind, heute Roboter ein. Terroristen etwa: So verfügt die Hisbollah über mehrere Drohnen, die sie schon gegen Israel eingesetzt hat.

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