Teilchenbeschleuniger LHC Gespanntes Warten auf die Weltmaschine

Nach überwundenen Marder-Problemen soll der riesige Teilchenbeschleuniger LHC bald wieder starten. Arbeit genug gibt es für ihn – etwa die Suche nach einem mysteriösen Teilchen, das Physiker in helle Aufregung versetzt.
Die riesige unterirdische Anlage bei Genf steht kurz vor dem Neustart nach der Winterpause. Quelle: AP
Teilchenbeschleuniger LHC

Die riesige unterirdische Anlage bei Genf steht kurz vor dem Neustart nach der Winterpause.

(Foto: AP)

GenfWar es ein Messfehler oder ein physikalischer Durchbruch? Das bevorstehende Wiederhochfahren des weltgrößten Teilchenbeschleunigers nach dessen Winterpause versetzt Wissenschaftler rund um den Globus in helle Aufregung.

Die Anlage am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in der Schweiz ist bestens bekannt für die Entdeckung des „Gottesteilchens“ Higgs-Boson vor vier Jahren. Vergangenen Dezember, kurz vor Beginn  seiner Winterpause, hatte der LHC dann zarte Hinweise auf die Existenz eines völlig neuen Partikels geliefert – seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut.

Sollte sich das neue Elementarteilchen nach dem für die ersten Maitage geplanten Neustart zweifelsfrei nachweisen lassen, würde sich für die Physik damit eine ganz neue Ära auftun, sagen Eingeweihte. „Es ist ein Hinweis auf eine mögliche Entdeckung“ so der Physiker Csaba Csaki, der an den Experimenten nicht beteiligt war. „Wenn es wirklich stimmt, wäre das möglicherweise das Aufregendste, was ich in meiner Laufbahn in der Teilchenphysik gesehen habe – noch aufregender als die Entdeckung des Higgs selbst.“

Wenn Tiere empfindliche Technik lahmlegen
Teilchenbeschleuniger LHC
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Ein Marder hat am Freitag den weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC lahmgelegt. Das Tier drang in eine Transformator-Anlage und verursachte einen Kurzschluss. Die gigantische Maschine bei Genf, in der normalerweise Elementarteilchen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen, wird wohl erst in einigen Tagen wieder die Arbeit aufnehmen können.

Welche Unfälle bei der Begegnung von Tier und Technik passieren können, zeigt die folgende Auswahl.

Spinnen im Tank
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Der Autohersteller Mazda muss 2011 und 2014 zehntausende Fahrzeuge in den USA zurückrufen. Grund sind Spinnen: Eine bestimmte Spinnenart macht es sich gern im Tank von Mazda-Modellen bequem. Die Netze der Tiere können einen Unterdruck verursachen, der den Tank beschädigt.

Verhängnisvolle Schleimspur
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Eine Schnecke bringt 2011 den Berufsverkehr in Bayreuth zum Erliegen. Ihre Schleimspur hatte in einer Ampel einen Kurzschluss verursacht.

Quallen im Atomkraftwerk
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Quallen legen 2011 ein Atomkraftwerk an der schottischen Nordseeküste lahm. Die Tiere hatten Filter der Kühlung verstopft.

Mäuse als Brandstifter
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In Wolfsburg setzen Mäuse 2011 ein Fachwerkhaus in Brand. Sie hatten Elektroleitungen in einer Zwischendecke zerfressen.

Spektakuläre Notlandung
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An der berühmten Notlandung eines Passagierjets auf dem Hudson River in New York sind 2009 Vögel schuld. Sie waren in die Triebwerke geraten.

Vogel schießt Jet ab
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Ein pakistanischer Kampfjet muss 2007 dran glauben. Es war mit einem Vogel kollidiert, der Pilot rettete sich per Schleudersitz.

Das CERN hat der Anlage – dem Large Hadron Collider (LHC) – während der Winterpause in den vergangenen Monaten mehr Power verpasst. Die Vorbereitungen für den Neustart des LHC laufen bereits seit einigen Wochen. Am 25. März wurde die Anlage in einem 27 Kilometer langen unterirdischen Ring an der französisch-schweizerischen Grenze wiederöffnet.

Marder-Panne verzögert Neustart

Derzeit sind die CERN-Forscher mit Sicherheitstests und Reinigungsarbeiten an den Leitungen beschäftigt, bevor sie das Rätsel um das Partikel lösen können. Mit Ergebnissen wird frühestens in einigen Wochen gerechnet, möglicherweise auch erst zur Fachkonferenz ICHEP im August in Chicago.

Vor wenigen Tagen legte erst einmal ein Marder den Teilchenbeschleuniger zeitweise lahm. Das Nagetier war in einen Transformator der Riesenmaschine eingedrungen und hatte einen Kurzschluss ausgelöst. Der Start der Datensammlung in der 3,8 Milliarden Euro teuren Anlage verzögere sich damit um einige Tage, teilte das CERN mit.

Weltweit bekannt geworden war die Anlage 2012 mit einem physikalischen Meilenstein, der Bestätigung des von Laien als „Gottesteilchen“ bezeichneten Higgs-Boson. Es vervollständigte das Standardmodell der Teilchenphysik, das die Struktur des Universums auf winziger Ebene beschreiben soll.

Die beiden Teilchendetektoren Atlas und Compact Muon Solenoid lieferten nun im Dezember vorläufige Messungen, die auf ein vom Standardmodell nicht erfasstes Partikel hindeuten könnten. Das mysteriöse Teilchen wäre fast vier Mal schwerer als das derzeit schwerste Teilchen Top Quark und sechs Mal schwerer als Higgs.

Die Physik auf den Kopf gestellt
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