Teilchenbeschleuniger LHC
Susy verzweifelt gesucht

Der weltgrößte Beschleuniger LHC wird nach zweijähriger Runderneuerung jetzt wieder hochgefahren. Nach der Entdeckung des „Gottesteilchens“ Higgs-Boson steht für die Weltmaschine nun die Jagd nach „Susy“ auf dem Plan.
  • 0

Genf/BerlinBei diesen Superlativen schlagen Forscherherzen schneller: der größte Teilchenbeschleuniger, die komplizierteste Maschine der Welt. Und die „coolste“. Auf 1,9 Kelvin – minus 271,25 Grad Celsius – werden die supraleitenden Magnete des Large Hadron Collider (LHC) heruntergekühlt.

Das ist nötig, damit in der 27 Kilometer langen unterirdischen Vakuumröhre zwischen dem französischen Jura und dem Genfer See Elementarteilchen fast tausendmal stärker als bisher beschleunigt und aufeinander losgejagt werden können. Davon versprechen sich die Wissenschaftler am Europäischen Kernforschungszentrum (Cern) neuartige Teilchenkollisionen, aus deren Zerfallsprodukten sensationelle Erkenntnisse über die Struktur des Universums gewonnen werden könnten.

Mit dem in zweijähriger Arbeit umfassend modernisierten LHC gibt es nicht nur größere Chancen, Schwestern oder Brüder des vor knapp drei Jahren im LHC entdeckten Higgs-Teilchens zu finden. Dank der nie zuvor erreichten Energie von 13 Teraelektronenvolt hoffen die Forscher auch, der rätselhaften Dunklen Materie auf die Spur zu kommen.

„Vielleicht gelingt uns der Aufbruch in das dunkle Universum“, sagt der deutsche Cern-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer. Und seine designierte Nachfolgerin, die maßgeblich an der Entdeckung des Higgs-Teilchens beteiligte italienische Physikerin Fabiola Gianotti, fügt hinzu: „Dieser enorme Energieschub gibt uns viel größere Möglichkeiten, fundamentale Fragen der Menschheit nach dem Wesen des Universums zu beantworten, darunter Fragen nach der Beschaffenheit der Dunklen Materie.“

Das Higgs-Boson, wegen seiner fundamentalen Bedeutung für die Physik mitunter auch als „Gottesteilchen“ bezeichnet, ist ein wichtiger Baustein im Standardmodell der Materie. Es ist jenes Teilchen, das allen anderen Masse verleiht, ohne die sie wie Irrlichter durchs All schwirren würden. Blieben sie masselos, gäbe es keine Materie. Laien erklärt Heuer das gern so: „Sie und ich würden ohne dieses Teilchen nicht hier sitzen, es gäbe uns gar nicht.“

Die Existenz des Higgs-Bosons hatten vor einem halben Jahrhundert der Brite Peter Higgs und der Belgier François Englert vorausgesagt. Nachdem ihre Theorie bewiesen wurde, erhielten sie 2013 den Physik-Nobelpreis. Bei den Experimenten mit dem neuen LHC geht es um wissenschaftliche Triumphe in ähnlicher oder gar noch größerer Dimension.

Seite 1:

Susy verzweifelt gesucht

Seite 2:

Wegweiser in unerkundete Welten

Kommentare zu " Teilchenbeschleuniger LHC: Susy verzweifelt gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%